Parteichef auf dem Arbeitsamt


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Präsidentschaftskandidat muss sich arbeitslos melden

Andrés Herzog wurde in weniger als einem Monat zum Anwärter auf den Präsidentenposten zum Antragsteller auf dem Arbeitsamt.

2011 hatte der Anwalt eine hoffnungsvolle Karriere in einem bekannten Anwaltsbüro aufgegeben und war in die liberale Partei UPyD – Union Progreso y Democracia – Union für Fortschritt und Demokratie – eingetreten. Von dort aus nahm er den Kampf gegen politische Korruption auf. Er konnte beispielsweise durch eine Klage den Fall „Bankia“ anstoßen, ein Korruptionsskandal, der noch heute große Wellen schlägt.  Nachdem die Partei bei den letzten Wahlen den Sprung in das Parlament nicht geschafft hat, musste Herzog, 42 Jahre alt, „draußen bleiben“, denn die politischen Ämter in den Regionalparlamenten sind ja bereits im Sommer letzten Jahres vergeben worden. Jetzt hat er beim Arbeitslosenamt INEM vorgesprochen, um eine neue Chance zu suchen.

„Ich suche einen neuen beruflichen Weg, möchte aber aufzeigen, wie ungerecht das alles ist, dass eine Partei wie UPyD, die hart gearbeitet hat, sich jetzt in einer solchen Situation befindet“, erklärte Herzog in einem Gespräch mit der Zeitung El País. „Ich will nichts dramatisieren, denn auf einer anderen Ebene kann ich mich glücklich schätzen. Vielleicht mache ich mich selbstständig, aber gewisse bürokratische Vorschriften müssen eben erfüllt werden“. Ironisch beschrieb er auf seinem Facebook-account seine derzeitige Situation beim Besuch auf dem Arbeitsamt: „Letzte Tätigkeit? Kandidat für das Amt des Präsidenten. Datum der Entlassung: 20. Dezember, Tag der letzten Wahlen, die Entlassung: mitgeteilt auf Wahlzetteln in einer Urne durch die Bürger“. 

Herzog hatte seinen Glauben an die Partei gegen allen Gegenwind beibehalten, auch als diese im vergangenen Jahr verschiedene Wahlen verloren hatte. Nach dem Rücktritt von  

Parteigründerin Rosa Diez gewann er die Mitgliederumfrage gegen die Parteifreundin Irene Lozano und wurde Parteichef. Sie ist heute Abgeordnete der PSOE, Herzog dagegen ist arbeitslos. 

Als parlamentarischer Berater und Sprecher der UPyD erhielt er noch eine monatliche Zuwendung von rund tausend Euro. Aus dieser Position kritisierte er nach wie vor die Korruption und das Zweiparteien-System. Seit seinem Rücktritt vor zwei Wochen gehört der Partei keine relevante Persönlichkeit mehr an, und sie wird von einer Verwaltungskommission geführt. Die Zukunft der UPyD ist ungewiss. Viele ihrer ehemaligen Führer halten die Stammwähler für verloren. Aber die Krise ist auch wirtschaftlicher Art. Die Partei hat etwa zwanzig Korruptionsklagen verloren, in denen sie als Klägerin aufgetreten war und die sämtliche Finanzen verschlungen haben. Carlos Martínez Gorriarán, Mitgründer der Partei, hat die Einberufung eines Kongresses verlangt, um die Partei aufzulösen. Doch Andrés Herzog, „der Anwalt der Spanier“ wie er genannt wurde, kämpft nicht mehr um den Einzug in das Parlament, er ist jetzt arbeitslos.




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