Parador de Muxía soll in diesem Jahr eröffnet werden


Am 19. November 2002 brach der Tanker „Prestige“ 437 km vor der galicischen Küste in zwei Teile. Rund 63.000 Tonnen Rohöl flossen ins Meer und lösten eine Umweltkatastrophe aus. ArchivFoto: EFE

Die Gemeinde wurde mit am stärksten von der Ölpest der „Prestige“ getroffen

A Coruña – Sechzehn Jahre nach der größten Umweltkatastrophe Europas, der Ende 2002 durch den Tanker „Prestige“ in Nordspanien und Westfrankreich verursachten Ölpest, steht die Gemeinde Muxía an der galicischen Atlantikküste am Wendepunkt. Damals wurden 63.000 Tonnen giftigen Erdöls schlechter Qualität durch die Strömung an 1.500 Kilometer des Küstenstreifens geschwemmt. Seit Jahren sinkt die Einwohnerzahl, doch nun soll in Kürze ein modernes Parador-Hotel eröffnet werden.

Nach Angaben von Bürgermeister Félix Porto würden jedes Jahr hundert Einwohner abwandern. Seitdem sich die schwarze Pest im Jahr 2002 über den Küstenabschnitt ausbreitete, sei die Zahl der Einwohner um 1.600 auf 4.900 gesunken. Mittlerweile ernten die „Percebeiros“ wieder die begehrten Felsen-Entenmuscheln, doch die Jugend halte es dort wenig. Die älteren Einwohner hegen nun wieder Hoffnung, dass sich die Ankündigung von Óscar López, neuer Präsident der staatlichen Hotelkette Paradores, bewahrheitet und das neue Hotel der Kette noch vor Jahresende eröffnet wird.

Bei dem Projekt handelt es sich um ein Versprechen des damaligen Regierungschefs José María Aznar aus dem Jahr 2003 für die von der Ölpest betroffene Gemeinde. Oberhalb des Lourido-Strandes, inmitten der Natur, sollte ein Parador entstehen und die lokale Wirtschaft wiederbeleben, verhieß er damals. Politische Hindernisse und die Wirtschaftskrise zögerten die Umsetzung des Projektes immer wieder hinaus, doch Ende 2011 wurden die Arbeiten aufgenommen. Für 27 Millionen Euro wurde ein Hotel gebaut, das nun fast fertiggestellt sein soll.

Nachdem schon des Öfteren eine baldige Eröffnung angekündigt wurde, glauben die Bürger nicht so recht an die Ankündigung des neuen Präsidenten von Paradores de España. Selbst die Bauarbeiter, die an dem Hotel arbeiten, haben ihre Zweifel. Nur der Bauleiter bestätigt, das beauftragte Unternehmen Tragsa werde im Juni das Gebäude an Turespaña übergeben, um das Hotel mit Spa endgültig an Paradores zu übertragen. Von Paradores wurde bestätigt, man rechne mit einer Übertragung im Juli. Drei weitere Monate würden für die Reinigung, die Innenausstattung und die Dekoration benötigt.

Das Projekt beruht auf einem Entwurf des Architekten Alfonso Penela und sticht durch seine klaren Linien – beim Bau wurden hauptsächlich Beton, Eisen, Glas und Holz verwendet – hervor. Das Hotel mit 62 Zimmern und Spa liegt terrassenförmig an einem Hang. Die Dächer sind bepflanzt, um das Gebäude harmonisch in die Landschaft einzugliedern.

Derzeit ist der Tourismus von Muxía auf „Rucksack-Touristen“ und Pilger der Jakobsrouten begrenzt. Der wirtschaftliche Aufschwung ist für Bürgermeister Félix Porto nun in Sicht, denn bei dem Parador werde es sich um das einzige Vier- oder Fünfsternehotel der Gegend handeln. Die Gäste würden wegen der interessanten Küste und der rauen See mit ihren meterhohen Wellen kommen.

Paradores hat sich noch nicht festgelegt, ob das neue Hotel das ganze Jahr über geöffnet sein wird. Man glaubt jedoch an das Konzept und den wirtschaftlichen Beitrag für die Gegend. Viele der insgesamt 96 Parador-Hotels hätten sich zu Wirtschaftsmotoren der umliegenden Gemeinden entwickelt, doch bislang habe es noch keines am Ende des Jakobswegs gegeben.




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