Papst Benedikt XVI. zu Besuch in Spanien


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Lockerung der Spannungen zwischen dem Vatikan und der Regierung

Nach einem knapp 26 Stunden dauernden Besuch in Valencia, wo Papst Benedikt XVI. an den Abschlussfeierlichkeiten des Weltkongresses der Familie teilnahm, ließ er bei seiner Rückkehr nach Rom eine versöhnliche Botschaft zurück.

Valencia – Seine Reise nach Valencia sollte die enorme Bedeutung unterstreichen, die die katholische Kirche der Familie zuschreibt. Aber auch demonstrieren, dass es möglich ist, den Glauben und das Modell der katholischen Gesellschaft ohne Herausforderung und apokalyptische Drohungen zu verteidigen. Seine positive Einstellung erreichte es, zwei Ziele miteinander zu verbinden, die für unvereinbar gehalten wurden: Er bot der spanischen Regierung trotz aller Meinungsverschiedenheiten Kooperation an und ermunterte gleichzeitig die Bischöfe (mit wesentlich mehr Diskretion als einige von ihnen erwartet hatten) weiterhin „….den lebenden Gott, Garant unserer Freiheit und der Wahrheit…“ zu proklamieren.

Der Papst Josef Ratzinger enttäuschte die Katholiken, die von ihm erwartet hatten, dass er die Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero „prügelt“, und auch die anderen, die von ihm die Vorstellung eines strengen, unnachgiebigen Dogmatikers hatten.

Es gab politische Gespräche mit dem spanischen Präsidenten Zapatero und der Vizepräsidentin Fernández de Vega; verbindliche Diplomatie mit dem spanischen Königspaar, menschliche Wärme und Mitgefühl mit den Hinterbliebenen des tragischen U-Bahn-Unfalls zu Beginn der Woche und viel Sympathie wenn er mit den Menschen sprach, die ihm auf den Straßen zujubelten.

Doch das hauptsächliche Ziel seines Besuches war die Proklamation der Institution Familie basierend auf der Ehe von Mann und Frau.

Auch bei seiner Predigt während des Schlussgottesdienstes sprach er von der wunderbaren Realität der unauflösbaren Ehe zwischen Mann und Frau. Wiederum eine Enttäuschung für die meisten Kirchenvertreter und die konservativen Kreise der spanischen Gesellschaft, die eine Geißelung der sozialistischen Regierung erwartet hatten: Kein Wort über Scheidung, Homo-Ehe und genetische Manipulation, drei Fakten zu denen der Vatikan radikal im Gegensatz steht.

Der Besuch von Papst Benedikt hat in mehrerlei Hinsicht die Erwartungen der Organisatoren nicht erfüllt – die Zahl der Besucher war deutlich geringer als angekündigt und seine Reden waren versöhnlich und freundlich. Das musste sogar einer der bekanntesten kirchlichen Würdenträger einräumen.

War Benedikt XVI. verständnisvoll und verbindlich, so kann man das vom Sprecher des Vatikans, des Spaniers Joaquin Navarro-Valls, nicht behaupten. Mit bösartigen Worten kommentierte er die Tatsache, dass Zapatero dem Abschlussgottesdienst ferngeblieben war und sich durch die Außen- und Justizminister vertreten ließ. „Selbst Diktatoren wie Castro, Ortega oder Jaruzelski nahmen an der Messe teil, als der damalige Papst ihr Land besuchte…“

Doch auch bei der Bevölkerung herrschte nicht nur Begeisterung über den Besuch aus Rom. Die enormen Gelder, die von der konservativen Regionalregierung und der Stadt Valencia in ein Event investiert wurden, das die PP-Bürgermeisterin Rita Barberá als den spektakulärsten Papst-Empfang den es je gab, bezeichnet hatte, rief viel Kritik hervor. Auch Geistliche, besonders die Arbeiterpriester aus den ärmeren Stadtvierteln zeigten wenig Verständnis für die Verschwendung. „Diese öffentlichen Veranstaltungen laufen Gefahr zum Spektakel zu werden“, klagte einer von ihnen.

Eindeutig hat sich jedoch gezeigt, dass die Rechnung der konservativen Opposition, die mit Hilfe der Bischöfe eine Abstrafung der Regierung Zapatero durch Papst Benedikt erreichen wollte, nicht aufgegangen ist.




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