Nur Kirchenmänner in der Missbrauchskommission


Juan Antonio Menéndez Fernández, Bischof von Astorga. Foto: EFE

Weder Psychologen noch Vertreter der Opfer werden in die Aufklärung und die Ausarbeitung neuer Aktionsprotokolle einbezogen

Madrid – Mitte Oktober hatte die Spanische Bischofskonferenz (Conferencia Episcopal Española, CEE) angekündigt, eine Kommission zur Untersuchung der Fälle von Kindesmissbrauch innerhalb kirchlicher Einrichtungen und zur Aktualisierung der Aktionsprotokolle einzurichten. Die Besetzung dieser Kommission löste jedoch Enttäuschung und Kritik auch in den eigenen Reihen aus. Dennoch ließ sich die CEE nicht davon abbringen, ausschließlich hohe kirchliche Funktionäre, größtenteils Jesuiten und Mitglieder des Opus Dei, die darüber hinaus noch zahlreichen anderen Verpflichtungen nachkommen müssen, in die Kommission zu berufen und andere Gruppen, wie psychologische und pädagogische Fachleute oder Vertreter der Opfer außen vor zu lassen.

Der Kommission gehören der Bischof von Astorga, Juan Antonio Menéndez Fernández, als Vorsitzender und die Priester Silverio Nieto Núñez, Jorge Otaduy Guerín, Carlos Morán Bustos, Carlos López Segovia und der Mönch Miguel Campo Ibáñez an.

Silverio Nieto Núñez war, bevor er dem juristischen Dienst der Bischofskonferenz beitrat, Polizeikommissar, Justizbeamter und Professor für Kirchenrecht an den Päpstlichen Universitäten von Comillas, San Dámaso und Murcia. Vor einem Jahr erhoben die Eltern des Jungen Asier Cuatrecasas, der in der Opus Dei-Grundschule Gaztelueta in Biskaya sexuellem Missbrauch ausgesetzt gewesen war, schwere Vorwürfe gegen diesen Priester, weil er ihren Sohn auf eigene Faust über zwei Stunden lang verhörte. Er hatte sich bei der Familie als Abgesandter der Bischofskonferenz vorgestellt, der sich für das Befinden des Jungen interessiere, diesen dann jedoch einem regelrechten Verhör unterzogen und versucht, ihn mit Fragen der Art „ob in dem Raum, wo die Übergriffe stattfanden, Rollos an den Fenstern waren“ in Widersprüche zu verwickeln. Dieses unübliche Eingreifen in ein laufendes Verfahren machte damals Schlagzeilen.

Auch Juan Antonio Menéndez Fernández, der Bischof von Astorga, ist nicht gerade als Aufklärer in Sachen Kindesmissbrauch bekannt. Francisco Javier, der Ende 2014 Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs, der 1989 im Seminario Menor de La Bañeza in León durch den Priester José Manuel Ramos Gordón an ihm selbst und seinem Zwillingsbruder, damals 13 Jahre alt, begangen wurde, erscheint die Ernennung des Bischofs zum Vorsitzenden wie ein schlechter Scherz. Der Bischof war 2015 damit betraut, den Fall zu untersuchen und intern gegen den Peiniger, den Priester Ramos Gordón, zu ermitteln. Laut Francisco Javier bemühte sich der Bischof stattdessen, den Fall unter den Teppich zu kehren. Deshalb ging Javier schließlich selbst an die Öffentlichkeit, woraufhin sich zahlreiche weitere Betroffene meldeten. Ohne diesen Schritt, davon ist Javier überzeugt, würde Ramos Gordón auch heute noch einer Pfarrei vorstehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Mitglieder der Kommission ihre Arbeit bei Null beginnen müssen, denn ihnen stehen, nach Angaben der Bischofskonferenz, keinerlei Daten zur Verfügen, weil die Diözesen die einzelnen Strafanzeigen bearbeiten.

Papst Franziskus hat für den kommenden Februar 2019 die Präsidenten aller 113 Bischofskonferenzen der Welt einberufen, um nach Wegen zu suchen, dem Ansehensverlust, welchen die Missbrauchsfälle der Kirche bescheren, entgegenzuwirken. Bis dahin muss die Kommission ihren Bericht und ihre Empfehlungen dem Präsidenten des CEE, Erzbischof Kardinal von Valladolid, Ricardo Blázquez, vorlegen.

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