Nur einer von drei Spaniern entkommt der Krise


Sozialreports von Caritas und UNICEF

Nur einer von drei Spaniern bekommt die Auswirkungen der Krise nicht in seinem persönlichen Leben zu spüren. Dies geht aus einer Studie hervor, welche die Stiftung Foessa zum Thema Ausgrenzung und soziale Entwicklung für die Caritas durchgeführt hat.

Madrid – Im Jahr 2007 fühlte sich noch jeder zweite Befragte voll in die Gesellschaft integriert.

Nach der Foessa-Erhebung leben 25% der Bevölkerung in einer Situation armutsbedingter sozialer Ausgrenzung und weitere 41% sind davon bedroht, ebenfalls abzurutschen.

Die Sozialstudie, die auf 8.800 Befragungen basiert, analysiert das neue Sozialmodell, die Einkommensverteilung, den Arbeitsmarkt und den Sozialstaat. Sie konstatiert den Bruch des Gesellschaftsvertrages und weist darauf hin, dass die Krise nicht, wie oft behauptet, alle trifft sondern selektiv vor allem diejenigen, welche schon vorher von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen oder bedroht waren.

Die Anzahl der Familien, deren Leben von Mangel und Armut geprägt ist, stieg in den letzten Jahren um 50% an. Nach diesen Zahlen sind ein Viertel aller Spanier, 11,7 Millionen, durch Armut von der Teilnahme an der Gesellschaft ausgeschlossen, fünf Millionen davon besonders schwer. Von dieser Bevölkerungsgruppe haben 77% keine Arbeit, 61% sind wohnungslos und 46% erhalten keine adäquate gesundheitliche Versorgung. Große Familien sind besonders von der Krise gebeutelt, vor allem, wenn viele Kinder und Jugendliche darin leben.

Die Caritas empfiehlt dringend, die Prioritäten der Gesellschaft zu überdenken und die Logik der Privatisierung, Individualisierung und Kommerzialisierung infrage zu stellen.

Der Bericht zeigt die Existenz einer „ausgestoßenen Generation“ von Arbeitnehmern auf, 15% sind ohne Beschäftigung, und die einer „gefährdeten Generation“ junger Menschen, von denen 27% aus dem Bildungssystem herausgefallen sind und 35% in von Armut betroffenen Haushalten lebten.

„Noch ist Zeit für eine gesellschaftliche Reaktion“, mahnt der Koordinator der Studie, Francisco Lorenzo, „nur so werden wir die Krise überwinden und kommende Krisen vermeiden.“ Die Caritas ruft die Menschen dazu auf, sich Initiativen anzuschließen, die auf ihre Fahnen geschrieben haben, dass eine andere Gesellschaft möglich ist. Als Beispiel werden Wohnungstausch, Genossenschaften, Privatdarlehen und Ethikbanken genannt.

Zehn Jahre zurück

Laut der UNICEF-Studie „Die Kinder der Rezession – Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das Kindeswohl in den reichen Ländern“ haben die Einkommen der Familien mit Kindern in Spanien einen großen Sprung rückwärts gemacht, der dem Gegenwert von zehn Jahren Arbeit und Anstrengung entspricht. In dieser Wertung landet Spanien sogar noch hinter Griechenland.

Der Verlust an Potenzial führe zu wachsender gesellschaftlicher Entfremdung und geringerem demografischen Wachstum, warnt Unicef. Die Geburtenraten seien zum ersten Mal seit zehn Jahren rückläufig, was zum Teil daran liege, dass junge Erwachsene die Gründung einer Familie wegen der schwierigen Wirtschaftslage und der geringen Aussicht auf Besserung aufschieben würden.




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