Neun Jahre Leiden


Am 19. Mai fand in Madrid unter dem Motto „Farben gegen die Gewalt“ (Colores contra la Violencia) der Solidaritätslauf gegen geschlechtsspezifische Gewalt statt. Foto: efe

Weibliche Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt erstatten im Schnitt erst nach acht Jahren und acht Monaten Anzeige

Madrid – Die Regierungsbehörde für Geschlechtsspezifische Gewalt hat im Rahmen einer Umfrage untersucht, wie lange Frauen, die von ihren (ehemaligen) Lebenspartnern Gewalt erfahren, warten, bis sie Hilfe suchen und die Behörden informieren. Dabei zeigte sich, dass die Opfer durchschnittlich 8 Jahre und 8 Monate warten, um ihr Leid öffentlich zu machen, entweder bei den auf Gewalt gegen Frauen spezialisierten Sozialdiensten jeder Region oder durch Anzeigen bei der Polizei.

Die Stiftung „Igual a Igual“ hat 1.200 Opfer befragt und für die Regierungsbehörde die Ergebnisse in einem Bericht festgehalten. Von den Befragten waren 89% psychisch und 68% körperlich misshandelt, 42% finanziell unter Druck gesetzt und 23% sexuell misshandelt worden. 15% hatten unter allen genannten Gewaltarten gelitten.

Im Rahmen der Studie untersuchten die Experten, welche Gründe die Frauen schlussendlich dazu getrieben hatten, von ihrem Leid zu erzählen bzw. den Täter anzuzeigen: Im Ergebnis war es hauptsächlich die Schwere der psychischen und körperlichen Verletzungen. In 54% der Fälle gaben die Opfer an, die schwere psychische Verletzung habe sie angetrieben, bei 41% war es die letzte Episode körperlicher Gewalt, also ein konkretes Erlebnis, welches sie veranlasste, ihre Situation zu offenbaren. 30% gaben an, die Kinder seien sich der Gewalt zu Hause bewusst geworden. 27% erklärten, eine nahestehende Person habe sie zu dem Schritt ermutigt.

Auch die Gründe für die lange Zeit des Erduldens wurden bei der Studie erforscht. Die Hälfte der Befragten – 50% – gab an, aus Angst vor dem Täter keine Hilfe gesucht zu haben. 45% waren der Meinung, sich selbst aus ihrer misslichen Lage befreien zu können. 36% der Frauen sahen sich selber nicht als Opfer. 32% fühlten sich schuldig und verantwortlich für die Situation. 29% hatten Mitleid mit dem Täter. 28% nannten fehlende finanzielle Mittel und Scham als Grund.

Frauen mit mehreren Kindern, die mit dem Täter zusammenlebten, mit ihm verheiratet und finanziell von ihm abhängig waren, die nicht ausgebildet waren oder körperlich bzw. geistig behindert sind, verharrten länger in ihrem Leid.

15% glaubten, ihnen würde ohnehin nicht geholfen, 21% wussten nicht, an wen sie sich wenden sollten, 19% hatten Angst vor einem Gerichtsverfahren.

 




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