Negative Geburtenbilanz


Obwohl im vergangenen Jahr 4,5% mehr Kinder in Spanien zur Welt kamen als 2016, fiel die Geburtenbilanz negativ aus. Foto: PIxabay

Noch nie zuvor war die Differenz zwischen Todesfällen und Geburten so hoch wie im vergangenen Jahr

Madrid – Die vorläufigen Daten des Nationalen Statistikinstituts haben zutage gebracht, dass noch nie zuvor die Zahl der Todesfälle in Spanien so hoch gewesen ist wie im vergangenen Jahr (423.643, 2,3% mehr als 2016). Die Zahl der Geburten lag mit 391.930 zwar um 4,5% höher als im Vorjahr, jedoch weit unter der aktuellen Zahl der Todesfälle. Die Geburtenbilanz fiel negativ aus, mit einer Rekorddifferenz zwischen Geburten und Todesfällen von 31.713. Die Mortalitätsrate beläuft sich auf 9,1 pro 1.000 Einwohner, wie auch in den Jahren 2003 und 2015.

Pau Miret, Soziologe der Autonomen Universität von Barcelona und Forscher des Zentrums für Demografische Studien, geht davon aus, dass die Tendenz der negativen Geburtenbilanz anhalten wird, bis es nicht mehr viele Menschen aus der Generation des letzten Babybooms der 60er- und 70er-Jahre gäbe, „einfach deswegen, weil es viele Menschen einer Altersstufe sind, die sterben werden“.

Auch Joaquín Arango, Professor für Soziologie an der Universität Complutense von Madrid, zeigte sich wenig überrascht. Bereits 2013 ließen die sich annähernden Kurven von Todesfällen – nach oben – und Geburten – nach unten – erahnen, dass sich also die Kurven in wenigen Jahren kreuzen würden. „In Spanien ist die Fruchtbarkeit sehr weit von der Geburtenzahl entfernt, die er- forderlich wäre, um die scheidenden Generationen zu ersetzen,“ so der Professor.

Das Wachstum der Bevölkerung ist eng verknüpft mit der wirtschaftlichen Entwicklung und wurde von der Wirtschaftskrise stark abgebremst. Seit 2008 bewegen sich die Geburtenzahlen fast kontinuierlich abwärts, von 519.779 Geburten im Jahre 2008 auf 391.930 im vergangenen Jahr. Arango erklärte, im Zuge der hervorragenden Konjunktur seien nach dem Jahr 2000 viele junge Menschen eingewandert, die viele Kinder bekommen hätten. Die Krise habe diesem Trend ein Ende gesetzt.

Eine Rolle bei der Entwicklung hin zur negativen Geburtenbilanz spiele auch, dass die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 49 Jahren abgenommen habe, weil es sich um die Frauen handele, die in der Zeit nach dem erwähnten Babyboom geboren wurden.

Es gibt weniger gebärfähige Frauen, die zudem aufgrund der immer noch schwierigen Arbeitsmarktlage und dem hohen Anteil an prekären Arbeitsverhältnissen den Zeitpunkt zum Kinderkriegen hinausschieben. Laut dem Nationalen Statistikinstitut lag das Durchschnittsalter der Erstlingsmütter im vergangenen Jahr bei 32 Jahren, vier Jahre über dem Durchschnittsalter von 1976 (28).

Nach Ansicht von Miret liegt der ideale Durchschnitt bei 1,5 Kindern pro Frau. Alles darunter komme einem Hinweis gleich, dass etwas nicht in Ordnung sei. Im vergangenen Jahr lag der Durchschnitt bei 1,31. „Es gibt Paare, die hätten gerne Kinder, aber können sich eine Familie aufgrund der schwierigen Arbeitsmarktlage nicht leisten.“

Nach Ansicht beider Experten ist es für eine positive Entwicklung der Bevölkerung grundlegend, dass sich die angespannte Arbeitsmarktlage verbessert, also die Arbeitslosigkeit und die Zahl der prekären Stellen verringert werden.

Lebenserwartung

Das Nationale Statistikinstitut hat außerdem ermittelt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in 2017 bei 83,1 Jahren lag. Bei Männern belief sich die durchschnittliche Lebenserwartung auf 80,4 Jahre, bei Frauen auf 85,7 Jahre.




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