„Mit den 300 Euro der Polizei kehre ich nach Spanien zurück“


© EFE

Einer der in den Senegal zurückgeführten Immigranten will es erneut versuchen

Gala Gay befand sich zusammen mit 34 Landsmännern in dem letzten der insgesamt sieben Flüge, mit denen insgesamt 189 illegale Immigranten Ende Juni von Teneriffa aus in ihre Heimat im Senegal abgeschoben wurden. Seine Frau konnte es nicht glauben, als er an einem frühen Samstagmorgen plötzlich wieder vor ihr stand. „Was machst du hier, du sollst doch in Spanien sein“, warf sie ihm vor.

Dakar – Gay konnte ihr nur die von einem Gericht in Arona, Teneriffa, gezeichneten Ausweisungspapiere vorzeigen und erzählen, dass ihm die spanischen Polizisten, die den Flug begleiteten, bei der Ankunft in Dakar noch 300 Euro überreichten, als Hilfe um in seinen Heimatort zu gelangen, wo er zusammen mit seiner Frau und drei kleinen Kindern lebt. Doch Gay hat etwas anderes vor mit dem Geld. „Das werde ich dazu benutzen, um wieder nach Spanien zu gelangen“, erklärte er wenige Tage nach seiner erzwungenen Rückkehr in den Senegal einem Journalisten.

Knapp zwei Monate dauerte sein lebensgefährliches Abenteuer auf der Suche nach einem besseren Leben für sich und vor allem seine zurückgebliebene Familie. Der 36-jährige Fischer hatte zehn Tage nach der Geburt seines jüngsten Sohnes zusammen mit 80 weiteren Landsmännern die gefährliche Überfahrt in einem Cayuco zu den Kanarischen Inseln gewagt. Etwa 770 Euro kostete ihn die Reise, ein Vermögen, das nun verloren ist. Knapp zehn Tage dauerte die Überfahrt, bis das schmale Holzboot die Südküste Teneriffas erreichte. Da die dortigen Auffanglager bereits überfüllt waren, wurde er mit anderen illegalen Einwanderern nach Fuerteventura gebracht. 40 Tage lang glaubten sie, dass sie nach der obligatorischen Inhaftierung zum spanischen Festland gebracht und freigelassen würden. Mit einem Ausweisungsbefehl in der Hand, der nicht erfüllt werden könnte. „Die Polizisten behandelten uns gut“, berichtet Gay über diese Zeit. „Wir wurden geimpft und einige Beamte sagten uns sogar, sie hofften, dass wir nicht abgeschoben werden.“

Doch es kam anders. Eines Nachts wurden ihnen die Hände mit Plastikschlaufen zusammengebunden. Dann wurden sie zum Flughafen gebracht und in einen Flieger gesetzt. Erst an Bord erfuhren sie, dass es nicht zum Festland, sondern zurück in die Heimat gehen würde. „Sie haben uns die Schlaufen wieder abgenommen und uns ein Abendessen gegeben. Niemand von uns hat sich gewehrt. Wir fühlten uns wie erschlagen“, erzählt Gay weiter. In Dakar angekommen wurde sie von dortigen Polizisten gefragt, ob sie gut behandelt worden seien. Alle hätten das, so Gay, bestätigt.

Die Hoffnungslosigkeit auf eine Verbesserung seiner Lebensumstände zu Hause ist jedoch so groß, dass sowohl Gay als auch ein Großteil seiner Leidensgenossen bereits jetzt Pläne schmieden, um die Überfahrt erneut zu wagen.

In nächtlichen Flügen wurden die illegalen Immigranten von den Kanarischen Inseln nach Dakar geflogen

189 Senegalesen heimlich abgeschoben

In der zweiten Junihälfte wurden 189 illegale Immigranten in einer mehr oder weniger heimlichen Aktion von den Kanaren zurück in ihre Heimat im Senegal gebracht. Die Öffentlichkeit erfuhr aus bislang nur unzulänglich erläuterten Gründen erst über eine Woche später von den sieben nächtlichen Flügen, mit denen die Senegalesen zwischen dem 19. und 24. Juni nach Dakar gebracht wurden.

Wie das Innenministerium später bestätigte, wurden jedem abgeschobenen Immigranten 300 Euro überreicht, um ihnen den „Neustart in ein Leben in ihrer Heimat zu erleichtern“. Die Rückführungen begannen knapp drei Tage nachdem der spanische Ministerrat beschlossen hatte, der senegalesischen Regierung einen Kredit in Höhe von 20 Millionen Euro zu gewähren.

Obwohl sich Senegals Präsident Abdoulaye Wade dazu verpflichtet hatte, die Rückführung von insgesamt 623 Immigranten zu aktzeptieren, wurde das Abkommen Anfang Juni auf Eis gelegt. Heftige Proteste und schwere Vorwürfe gegen die spanischen Behörden seitens der ersten 99 Immigranten, die am 1. Juni in den Senegal zurückgeführt wurden, hatten zu Missstimmung  geführt. Nach diskreten diplomatischen Verhandlungen scheinen diese jetzt jedoch wieder bereinigt zu sein. Spanien hat sich allem Anschein nach dazu verpflichtet, die Möglichkeit zu überprüfen, ein Kontingent für die legale Einwanderung von Immigranten aus dem Senegal zu schaffen. Außerdem will Spanien zusammen mit der Europäischen Union dabei helfen, die Küste zu kontrollieren, um das Ablegen weiterer Flüchtlingsboote zu verhindern.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.