Migrantenwelle


Andalusien sah sich im Juni einem gewaltigen Zustrom von afrikanischen Zuwanderern ausgesetzt

Cádiz – Im Juni sind, den Daten der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge, an den Küsten Andalusiens über 7.000 afrikanische Migranten über die Mittelmeerrouten angekommen. Das sind mehr, als im gleichen Zeitraum Griechenland (2.077), Italien (3.136) und Malta (224) erreicht haben.

Seit Jahresbeginn sind rund 15.000 Migranten auf diesem Weg nach Spanien gekommen, mindestens 292 Menschen starben bei dem Versuch, die Meerenge von Gibraltar zu überqueren. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurde 6.513 Migranten durch die Seenotrettung geholfen, und es wurden 69 Tote gezählt.

Die Aufnahmezentren, vor allem die für minderjährige Migranten, sind infolge des hohen Zustroms überfüllt. Die Versorgung der Neuankömmlinge kam während der letzten Wochen immer wieder ins Stocken, was zornige Beschwerden der Hilfsorganisationen nach sich zog.

Ende Juni sah sich die Regierungsdelegation in Andalusien gezwungen, ein improvisiertes Aufnahmezentrum für 300 Personen in einem Sportzentrum in Barbate einzurichten, nachdem 110 Migranten fast einen ganzen Tag in dem Ankunftsterminal im Hafen von Algeciras hatten verbringen müssen. Dieses konnte jedoch zwei Tage später schon wieder geschlossen und seinem ursprünglichen Zweck zugeführt werden. Ein anderes Aufnahmelager für 500 Personen, das vor einigen Wochen in einem Sportzentrum in Tarifa improvisiert werden musste, ist weiterhin in Betrieb.

Diese Art Aufnahmezentren sind durch den Verein Pro Derechos Humanos, der Zweifel an deren Legalität anmeldete, kritisiert worden. In diesen Einrichtungen werden die Migranten maximal 72 Stunden lang festgehalten, weil sie illegal nach Spanien eingereist sind. Dies geschieht normalerweise in den Polizeikommissariaten, wenn diese nicht, wie jetzt, überfüllt sind. In diesen 72 Stunden klärt die Nationalpolizei die Identität der Immigranten und fertigt den Ausweisungsbefehl aus, bevor sie auf freien Fuß gesetzt oder, im Fall der Migranten aus dem Maghreb, zurückgeführt werden.

Der große Ansturm der letzten Wochen war sogar in anderen Gegenden Spaniens, wie in Bilbao, Córdoba oder Barcelona, zu spüren. Wie der Stadtrat der katalanischen Hauptstadt in einer Pressekonferenz bekannt gab, hatte die Stadt Barcelona in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz, kurzfristig die Betreuung von 465 Migranten von den Küsten Andalusiens übernommen.




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