Mehr als 2.000 archäologische Fundstücke beschlagnahmt


© Guardia Civil

Neuerlich Artefakte aus vorrömischer Zeit unterschlagen

Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres sind Tausende Fundstücke aus keltiberischer Zeit bei einer Privatperson beschlagnahmt worden.

Schon im März dieses Jahres wurden im nordspanischen Dorf Aranda de Moncayo bei Saragossa 4.000 teilweise in einzigartiger Weise gut erhaltene Stücke sichergestellt. Darunter Bronze-Helme, Brustschilde, Pfeilspitzen, Schwerter, Spangen, Schmuck und Keramik. Die Untersuchung war aufgrund von Hinweisen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz in Gang gekommen. Dieses hatte die spanischen Behörden schon seit 2008 wegen einiger Stücke unklarer Herkunft aus der Sammlung des österreichischen Industriellen Alex Guttmann benachrichtigt (das Wochenblatt berichtete).

Der Schauplatz des neuen Falles ist ebenfalls die Autonome Region Aragonien. In Saragossa kam es zur vorübergehenden Festnahme von Mariano Ostalé Martínez, 63 Jahre alt und Betreiber einer Möbeltischlerei. Daneben hat er sein Leben dem Studium der  vorrömischen sogenannten keltiberischen Städte im Norden Spaniens gewidmet – nur in Büchern, nicht im Feld, wie er versichert. Er hat sich zum Experten weitergebildet, wird zu Symposien eingeladen und hat Schriften und Bücher zu diesem Thema veröffentlicht.

Nun steht er unter Verdacht, all die Jahre lang auch archäologische Fundstätten geplündert zu haben. In seinen Wohnungen in Saragossa und in dem Dorf Alagón am Ebro-Fluss wurden mehr als 2.000 archäologische Artefakte beschlagnahmt. Es handelt sich um Pfeilspitzen, Schwerter, Münzen und andere Objekte aus Metall. Nach Aussagen der Familie ist Ostalé jedoch nichts weiter als ein Sammler, der Stücke aus keltiberischer Zeit kauft, aber auch nachbildet. Ein Helm der „Sammlung“ jedenfalls ähnelt frappierend jenen außerordentlich wertvollen achtzehn Bronze-Helmen, die zwischen dem 6. und dem 2. Jahrhundert v. Chr. in Nordspanien gefertigt und aus der antiken Stadt Aráticos bei Aranda de Moncayo entwendet wurden. Jahre später, in den 90ern, tauchten sie bei einer Versteigerung in Deutschland wieder auf, wo sie von Alex Guttmann erworben und nach dessen Tod zum Ausgangspunkt der aktuellen polizeilichen Untersuchung wurden.

Durch die Erben gelangten sie nach und nach auf den Sammlermarkt und wurden zwischen 2008 und 2012 zu Preisen zwischen19.000 und 77.000 Euro verkauft.

Als 2011 die spanischen Behörden aktiv wurden, stießen sie in der Operation „Helmet I“ im März zunächst auf Ricardo Granada und seine 4.000 antiken Fundstücke. Dabei ergaben sich Hinweise, die nun zur Operation „Helmet II“ und der Beschlagnahme des Fundus von Mariano Ostalé geführt haben. Die beiden Archäologie-Liebhaber sollen sich gekannt und auch gemeinsam Fundstätten besucht haben.

Ostalé äußerte sich bisher nicht im Detail zu den Vorwürfen, bestreitet jedoch, Ricardo Granada zu kennen oder jemals mit archäologischen Fundstücken gehandelt zu haben.

Die Keltiberer

Als Keltiberer bezeichnet man jene Mischbevölkerung, die in der Antike auf dem Boden der Iberischen Halbinsel entstand, als einige keltische Stämme aus dem heutigen Frankreich über die Pyrenäen einwanderten und sich mit den vor-indoeuropäischen Iberern vermischten oder in friedlicher Nachbarschaft nebeneinander lebten. Die Einwanderung fand zwischen dem 8. und dem 6. Jh. v. Chr. statt. Die kulturelle Verschmelzung der keltischen Stämme mit den Iberern vollzog sich langsam, aber gründlich. Bei Kleidung und Bewaffnung setzte sich die keltische Tradition und Handwerkskunst durch, die Töpferei, der Haus- und Städtebau sowie die Bestattungszeremonien blieben iberisch geprägt. Seit dem 2. Jh. v. Chr. waren die Keltiberer ständig in Kämpfe mit den Römern verwickelt. Der hartnäckigste Widerstand ging von den Arevakern aus, die ihr politisches Zentrum in Numantia, dem heutigen Soria, hatten. 133 v. Chr. wurde Numantia von den römischen Legionären eingenommen und vernichtet. Die Keltiberer wurden unterworfen und romanisiert. Ihr gesamtes Gebiet wurde zur römischen Provinz Hispania Citerior erklärt. Darauf folgte ein langer Frieden.

Archäologische Funde aus der Zeit der Keltiberer brachten überwiegend metallische Gegenstände hervor, wie Pferdegeschirr und Waffen. Die gefundenen Schwerter sollen Vorbild für das römische Gladius gewesen sein. In Inschriften, Münzlegenden und Ortsnamen ist die keltiberische Sprache überliefert.




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