„Man soll nicht paniken, und wenn, muss man der Erste sein“


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Seit Jahresanfang sind die Kurse um 40% zurückgegangen. Jetzt ist es zu spät, um zu verkaufen. Die vorletzte Woche könnte mit dem „sell out“ das Ende der Kursrückgänge bedeuten. Ab letzter Woche haben wir unseren Aktienbestand Stück für Stück auf die vorgesehene strategische Quote von 50% erhöht.

Das kann zwar immer noch zu früh sein, aber den tiefsten Punkt erwischt man nur durch Zufall. Selbst wenn die Aktienkurse noch weiter fallen, werden wir langfristig bei diesen Einkaufspreisen eine Wertsteigerung erzielen. Für uns gilt jetzt das Andre Kostolany Zitat: „Die Börse ist wie ein Paternoster. Es ist ungefährlich, durch den Keller zu fahren. Man muss nur die Nerven behalten“.

Der Nikkei hat in zehn Handelstagen über 30% verloren. In Tokio wurden Aktien nur noch panisch in den Markt geworfen, ein Beispiel dafür ist der Kursverlauf der Kleiderkette Uniqlo. Das Unternehmen meldet am Freitag als Jahresresultat eine Gewinnsteigerung von 37% und der Kurs fällt um mehr als 10%. Die Hälfte der in Tokio gehandelten Unternehmen sind schuldenfrei und die Bewertung ist bei vielen inzwischen unter Buchwert gefallen. Trotzdem verkauften auch Institutionen panisch und es gab wenig Käufer.

Gazprom wurde zum Jahres­anfang mit 330 Mrd. $ bewertet. Jetzt ist die Firma nur noch 123 Mrd. $ Wert. Die Firma besitzt eines der größten Erdöl- und Erdgasvorkommen der Welt.

Der Aktienkurs von Daimler ist in den letzten 52 Wochen um 69,66% gefallen. Er lag am 12.03.2003 bei 23.94 € und am 10.10.2008  bei 22,31 €. Die Firma ist seit damals ohne Chrysler kleiner und in der Ertragslage stabiler geworden. Aufgrund des Umfeldes haben führende Analysten die Gewinnerwartung für 2009 von 4,90 auf 2,85 gesenkt. Das bedeutet trotzdem, dass wir wieder ein einstelliges Kursgewinnverhältnis haben, also Kaufkurse. Davon abgesehen, so wie sich die Analysten nach oben verschätzt haben, werden sie es auch nach unten tun.

Noch einen Satz zu dem Katastrophenrisiko: Es besteht eine reelle Gefahr, dass die isländische Wirtschaft im schlimms­ten Fall in einen Abwärtssog gerät und das Ergebnis ein Staatsbankrott sein könnte. Das wäre der erste Staatsbankrott eines westlichen Landes seit dem zweiten Weltkrieg. Niemand hätte diese Entwicklung vor fünf Jahren für möglich gehalten. Überleben werden die gut geführten Firmen in Island, nicht alle aber viele. Die Inhaber von Schuldverschreibungen werden ihr Vermögen verlieren, die Aktienbesitzer werden ärmer werden, können aber mit einem Teil ihres Vermögens neu starten. In diesem Fall sind Sachwerte der beste Schutz.

In der vorletzten Woche schleuderten in Panik geratene Investoren alles auf den Markt, ungeachtet der Branche oder den Gewinnaussichten einzelner Papiere. Die Rettungsaktionen, die europäische Regierungen zugunsten der Banken und der Spareinlagen unternommen hatten, haben diesen Brand bis zum 10. Oktober nur noch angefacht. Es war wie ein heftiger Streit zwischen Ehepartnern – selbst gut gemeintes Entgegenkommen wurde als hinterhältige List interpretiert. Die Angst wächst. Da im Moment alle Regeln außer Kraft gesetzt sind, ist es gut möglich, dass wir weitere Verluste bei den Aktien sehen werden. Die Übertreibung auf der negativen Seite. Das Positive an der Sache ist, es gibt wieder preiswerte Aktien.

Bislang wurde geschätzt, dass die Weltwirtschaft in 2008 um 4% wächst. Jetzt liegen die Schätzungen bei 2%. Das ist zwar weniger aber immer noch ein Wachstum und keine Rezession. Zwischen 1997 und 2000 legten die Gewinne nur moderat zu während der DAX abhob. In der Zeit zwischen 2003 und 2007 zogen die DAX-Gewinne mit den Kursen an. Jetzt kommt es darauf an, ob der Rückgang der Kurse von circa 40 % die Wachstumsverlangsamung richtig einschätzt. Auch diesmal ist nicht das Ende der Welt sondern wahrscheinlich nur der Beginn einer Rezession und davon habe ich schon zwei (1973-74 und 1980-82) erlebt. Wir leben in einer freien Marktwirtschaft und werden unseren Weg zu solidem Wachstum wieder zurückfinden.

Wenn man die letzten 21 Jahre betrachtet, so wurden ungewöhnlich häufig im Monat Oktober mittel- bis langfristig Wendepunkte an den Börsen markiert. Deswegen ist es Zeit, die bei der Planung der Anlagestrategie festgelegten Bandbreiten wieder herzustellen. Dies dürfte in den meisten Fällen den Zukauf von Aktien bedeuten.

Wenn andere Angst haben, muss man gierig sein, und umgekehrt.

Mehr Informationen?

Am 20. Januar 2009 findet für unsere geladenen Gäste in Puerto de la Cruz im Hotel Garoe ein privater Vortrag statt. Haben Sie Interesse? Dann wenden Sie sich unter der Telefon-Nr.: 922 575496 an Herrn Robert Burlon.




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