Madrid und Riad: Eine königliche Angelegenheit


Im April besuchte Mohammed bin Salman, Kronprinz, Verteidigungsminister und stellvertretender Premierminister Saudi-Arabiens, zum ersten Mal Spanien. Dabei unterzeichnete er einen Vertrag mit der damaligen Verteidigungsministerin María Dolores de Cospedal über eine Bestellung von fünf Korvetten für zwei Milliarden Euro, die von der staatlichen Navantia-Werft gebaut werden sollen. Foto: EFE

König Juan Carlos I. ist seit vielen Jahren eng mit der saudiarabischen Königsfamilie befreundet

Madrid – Als die spanische Flagge am 2. Oktober 2005 an allen offiziellen spanischen Gebäuden auf Halbmast wehte, war wohl kaum einem Bürger bekannt, dass König Fahd von Saudi-Arabien gestorben war.

Auf Wunsch von König Juan Carlos I. hatte der damalige spanische Regierungspräsident Zapatero einen Staatstrauertag angeordnet. Juan Carlos I. selbst unterbrach seinen Sommerurlaub, um der Familie des verstorbenen Freundes persönlich sein Beileid zu bekunden.

Die Freundschaft beider Königshäuser stammt noch aus den Zeiten Francos, als König Saud bin Abdulaziz 1957 Spanien erstmals offiziell besuchte.

Der damals international isolierte spanische Diktator empfing den arabischen Herrscher mit allen Ehren.

Die Erinnerungen an Al- Andalus, die von 711 bis 1492 andauernde Besetzung von Teilen der Iberischen Halbinsel durch die Araber, und die Bewunderung der arabischen Autokraten für das Franco-Regime waren Ausgangspunkt für die bis heute anhaltende Freundschaft.

In den Siebzigerjahren erbaute König Fahd sich in Marbella einen prunkvollen Palast. Wenn er mehrmals im Jahr mit seinem gesamten Gefolge dort anreiste, war es für den damals noch kleinen Ort wie ein Lotteriegewinn.

Als 1973 weltweit die Ölkrise ausbrach, garantierte Riad dem spanischen Diktator den Fortbestand der Lieferungen.

Nach der Krönung von Juan Carlos entstand zwischen beiden Adelshäusern ebenfalls eine enge Verbindung. Juan Carlos I. nannte Fahd seinen Bruder, dieser seinerseits bezeugte seine Verbundenheit mit wertvollen Geschenken.

Mit einem zinsfreien Darlehen von 100 Millionen Dollar des arabischen Herrschers soll 1977 der Wahlkampf der damaligen Partei UCD (Unión del Centro Democrático) finanziert worden sein, die den Beginn der Demokratie in Spanien verwirklichen sollte.

Im Jahr 1979 schenkte der arabische Herrscher Juan Carlos die Motorjacht „Fortuna“, die der spanischen Königsfamilie 20 Jahre lang gute Dienste erwies. Heutzutage verbotene Geschenke, die seinerzeit an der Tagesordnung waren.

Der Einsatz des emeritierten Königs war ausschlaggebend für die Unterzeichnung von Verträgen der spanischen Unternehmen AVE und Navantia, die sowohl die Aufträge für den Schnellzug nach Mekka und den Bau von fünf Korvetten erhielten. Etwas Außergewöhnliches für ein Land, in dem es keine öffentlichen Ausschreibungen gibt.

Nicht selten reiste Juan Carlos I. im Laufe seiner Amtszeit nach Saudi-Arabien und zwar sowohl zu privaten als auch zu offiziellen Anlässen.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Salman bin Abdulaziz, heutiger Herrscher Saudi-Arabiens, hat auf Wunsch seiner Ehefrau seinen Sommersitz von Marbella nach Tanger verlegt.

Auch König Felipe VI. teilt die Freude seines Vaters an dem pompösen Lebensstil der saudi-arabischen Dynastie nicht. Tatsächlich lernte er den heutigen starken Mann der arabischen Halbinsel, Mohammed bin Salman, erst vor einigen Monaten in Madrid kennen.

Trotzdem pflegen beide Länder weiterhin eine enge Beziehung, wie im September deutlich wurde. Als die sozialistische Regierung die Stornierung der Übergabe von 400 Bomben an Saudi-Arabien ankündigte und hiermit fast eine diplomatische Krise verursachte, konnte Felipe VI. die Gemüter besänftigen. So, wie es sein Vater auch immer getan hat.





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