Lkw-Streik vorerst keine Gefahr für Versorgungsmangel auf den Kanaren


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Aus Protest gegen explosionsartig gestiegene Spritpreise legten Zehntausende spanischer Lastwagenfahrer tagelang große Teile des Landes lahm

Auf den Kanarischen Inseln hat man es zwar bislang kaum bemerkt, auf dem spanischen Festland dafür umso mehr. Nach ergebnislosen Verhandlungen traten Zehntausende spanischer Lastwagenfahrer aus Protest gegen die explosionsartig steigenden Spritpreise am 9. Juni in einen unbefristeten Streik und legten gleichzeitig tagelang weite Teile des Landes lahm. Ihre Hauptforderung: garantierte Mindesttarife.

Madrid/Kanarische Inseln – Rund um die wichtigsten spanischen Städte, darunter Madrid, Barcelona, Sevilla und Alicante, fuhren zahlreiche Lastwagen bereits am zweiten Streiktag nur noch im Schritttempo, was unter anderem erhebliche Behinderungen für den Verkehr nach sich zog. Andere Lastwagenfahrer blo­ckierten gleichzeitig Grenz­übergänge wie den bei Junquera nach Frankreich, wo nur noch Personenwagen durchgelassen wurden, sowie Häfen und wichtige Verbindungsstraßen und Autobahnen.

Bereits nach kurzer Zeit waren auch für die Bevölkerung die ersten Auswirkungen des Streiks deutlich zu spüren. Insbesondere die wichtigsten Tankstellen um Madrid und Barcelona klagten schon nach anderthalb Tagen über Kraftstoffmangel. In den darauffolgenden Tagen weitete sich die Situation auch auf andere Regionen aus, so dass es schließlich selbst in einer andalusischen Dorf-Tankstelle einem Sechser im Lotto gleichkam, wenn man einmal wieder volltanken konnte.

An zweiter Stelle der spürbaren Streikfolgen standen die sich leerenden Regale in Supermärkten, Märkten und sons­tigen Lebensmittelgeschäften. Obwohl vor allem die großen Lebensmittelketten so gut wie möglich vorgesorgt hatten, mangelte es bereits nach wenigen Tagen insbesondere in Katalonien und Madrid an frischen Lebensmitteln. Zahlreiche Bürger hatten aus Sorge vor einem Versorgungsmangel sogar regelrechte Hamstereinkäufe ge­tätigt. Gestiegene Lebensmittelpreise waren eine der Folgen der Warenknappheit.

Einer der Höhepunkte des Streiks, dem sich auch Fischer und Landwirte angeschlossen hatten, wurde am 10. Juni erreicht, als ein Lastwagenfahrer, der als Streikposten an einer Straßensperre am Hauptmarkt von Granada teilnahm, ums Leben kam. Er wurde von einem Kleinlaster überfahren, den er am Weiterfahren hindern wollte. Der Lkw-Fahrer wurde verhafet. Aus „Solidarität“ mit dem Todesopfer unterbrachen die Spediteurs- und Lkw-Fahrer-Verbände, die zu dem Streik aufgerufen hatten, etwa zwölf Stunden lang die Verhandlungen mit dem Krisenausschuss der Regierung.

Nachdem die „illegalen“ Behinderungen von Verkehr und Wirtschaft durch die Streikpos­ten immer gravierender wurden, hat sich die Regierung entschlossen „hart“ durch­zugreifen. Es könne nicht angehen, dass die arbeitswilligen Lastwagen-Fahrer, die das Maßnahmenpaket der Regierung zur Eindämmung der gestiegenen Dieselpreise akzeptiert hatten, von einer streikenden Minderheit (die streikenden Verbände vertreten nur etwa 6% der spanischen Lkw-Flotte) behindert werden, hieß es unter anderem. Rund 25.000 Polizeibeamte wurden angewiesen dafür Sorge zu tragen, dass das Recht der Bürger auf Bewegungsfreiheit und die Güterversorgung sichergestellt wird. Über hundert Streikpos­ten wurden daraufhin verhaftet und Straßensperren gewaltsam aufgelöst.

Auf den Kanarischen Inseln beschränkten sich die Auswirkungen des Streiks auf einen von rund 300 Lastwagen-Fahrern am 13. Juni durchgeführten Protestzug durch Las Palmas de Gran Canaria. Und auch ein wirklicher Versorgunsmangel ist bislang nicht zu erwarten. Die Lieferung neuer Ware, die per Schiff vom Festland kommen soll, verzögert sich zwar um einige Tage, allerdings sei in den Supermärkten und Lebensmittelgeschäften auf den Inseln nicht mit leeren Regalen zu rechnen, informierten die hiesigen Behörden.

Bei Redaktionsschluss hatte sich die Situation landesweit weitgehend normalisiert und erstmalig hatte es auch den Anschein, dass in Kürze eine Einigung mit den streikenden Lkw-Verbänden erzielt werden könnte, die den Protesten endgültig ein Ende setzt.




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