Letzter Platz in Sachen Recycling


Spanien wird die Vorgabe der Europäischen Union, bis 2030 die Hälfte des Hausmülls zu recyceln, nicht erfüllen

Madrid – Beim Recycling hinkt Spanien den anderen EU-Mitgliedsstaaten weit hinterher. Während in der EU im Durchschnitt 45% des recycelbaren Abfalles wiederverwertet wird, beträgt die Quote in Spanien nur 29%. Der Hausmüll landet weiterhin größtenteils auf den Halden. Im April sollen die Ziele für die kommenden Jahre vom Europaparlament endgültig beschlossen werden. Die Institutionen der Gemeinschaft haben sich bereits auf die Vorgaben geeinigt: So sollen im Jahr 2025 alle EU-Mitgliedsstaaten mindestens 55% des Hausmülls recyceln, im Jahr 2035 dann 65%. Für Spanien wird es schwer, diese Vorgaben zu erfüllen.

Beim Recycling handelt es sich um eine der tragenden Säulen der sogenannten Kreislaufwirtschaft, die auf die Wiederverwertung der Rohstoffe abzielt. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und der begrenzten Menge an Rohstoffen ist der Umstieg auf die Kreislaufwirtschaft eine zwingende Aufgabe. Konkrete Strategien sind notwendig, um die Rohstoffe möglichst effektiv zu nutzen.

Derzeit wird laut Eurostat, dem europäischen Statistikinstitut, in der Europäischen Union im Durchschnitt 45% des Haushaltabfalls, also sämtlicher Müll, der nicht von der Industrie stammt und der nicht gefährlich ist, recycelt. Die derzeitig geltende Richtlinie sieht vor, dass bis 2020 jeder der EU-Mitgliedsstaaten eine Quote von 50% erreicht haben sollte. Die anvisierten Quoten von 55% bis zum Jahr 2025 und von 65% bis zum Jahr 2035 bedeuten, dass die Quote pro Jahr um einen Prozentpunkt angehoben werden muss, ein durchaus realistisches Vorhaben. Im Spitzenland Deutschland werden schon jetzt 66% der Haushaltsabfälle wiederverwertet.

Doch während einige Länder die zukünftigen Ziele schon annähernd erreicht haben, ist es für andere Länder – darunter Spanien – fast utopisch, die Vorgaben zu erfüllen. Carlos Arribas von der Umweltschutzgruppe Ecologistas en Acción hält es für „unmöglich“, dass in Spanien im Jahr 2020 die Hälfte des Hausmülls recycelt wird. Die jüngsten Daten von Euro­stat bestätigen diese Einschätzung. So wurde im vergangenen Jahr nur 29,7% des Haushaltsabfalles entsprechend wiederverwertet. Doch was noch schlimmer ist: die Quote stagniert. Seit 2010 hat es keinen Zuwachs beim Recycling gegeben. Das Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei, Ernährung und Umwelt hat gegenüber der Zeitung El País zugegeben, dass dringend Maßnahmen eingeleitet werden müssen, um die Recycling-Quote um 20 Prozentpunkte anzuheben und die Vorgaben der EU zu erfüllen. Seitens des Ministeriums wird auf den Maßnahmenplan zum Umstieg auf die Kreislaufwirtschaft für den Zeitraum 2018 bis 2020 hingewiesen, der jedoch bislang noch nicht beschlossen ist.

In diesem Jahr wird die EU-Kommission einen Bericht erstellen und analysieren, wo sich jedes Land auf dem Weg zur Erfüllung des für 2020 gesteckten Zieles befindet. Aller Voraussicht nach wird sich Spanien in der Gruppe der Staaten befinden, die nicht die vorgegebene Recycling-Quote erreichen wird.

EU rät Spanien zu mehr Zusammenarbeit

In einem Bericht des vergangenen Jahres hatte die Kommission auf die erheblichen Unterschiede zwischen den Regionen hingewiesen. So habe La Rioja bereits 2013 die 50%-Quote überschritten, während die Kanarischen Inseln, Madrid und Galicien noch nicht einmal 20% ihres Hausmülls recycelten. Um diese Unterschiede abzubauen, rät die Kommission zu einer besseren Abstimmung und Zusammenarbeit auf allen drei Verwaltungsebenen.




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