Lange Haftzeiten in Spanien


Foto: EFE

Nur Portugal, Aserbaidschan und Rumänien haben noch längere Aufenthaltszeiten in ihren Gefängnissen

Madrid – Spanien hat eine größere Gefängnispopulation als die meisten seiner europäischen Nachbarländer, und auch die durchschnittlichen Haftzeiten sind höher. Dies geht aus einer Studie hervor, die der Europarat kürzlich veröffentlichte. Demnach liegt in Spanien die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Gefängnis bei 21,9 Monaten. Das ist mehr als doppelt so viel wie der europäische Durchschnitt der 47 Länder, die dem Europarat statistische Daten zu ihrem Justizvollzugswesen zur Verfügung gestellt haben. Nach diesen Zahlen weisen nur Portugal, Aserbaidschan und Rumänien längere durchschnittliche Haftzeiten auf. Eine schrittweise Verschärfung der Gesetze hat in Spanien dazu beigetragen, dass die mittlere Aufenthaltszeit im Gefängnis immer länger wurde und sich in den letzten beiden Jahrzehnten verdoppelt hat.

In den wichtigsten Wirtschaftsnationen der EU liegt der durchschnittliche Gefängnisaufenthalt deutlich niedriger, beispielsweise in Italien bei 13,7 Monaten, in Großbritannien bei 9,1 Monaten, in Frankreich bei 8,5 Monaten und in Deutschland bei 8,2 Monaten. Spanien befindet sich zudem bei allen Gefängnisstrafen über drei Jahre über dem europäischen Mittelwert. Über die Hälfte der Gefängnispopulation sitzt Strafen über fünf Jahre ab, ein Fünftel über zehn Jahre und 4,3% sind zu über 20 Jahren Haft verurteilt.

Die härteste aller in Spanien möglichen Gefängnisstrafen, genannt „Prisión permanente revisable“, eine lebenslange Haftstrafe, bei welcher der Gefangene, je nach Urteil, erst nach 25 Jahren oder später die Gelegenheit erhält, nachzuweisen, dass er rehabilitiert sei, geht nicht in diese Statistik ein, weil sie praktisch nie verhängt wird.

Der Europarat in Straßburg wacht über die Einhaltung der Menschenrechte in Europa und erstellt deshalb jährlich einen Bericht über die Zustände in den europäischen Gefängnissen. Die Institution versucht, bei den Regierungen auf die Durchführung von Verbesserungen hinzuwirken.

In Spanien ist der Anteil der Strafgefangenen an der Gesamtbevölkerung zwar rückläufig, liegt mit 130,7 auf 100.000 Einwohner jedoch über dem europäischen Durchschnitt von 127,2.

Verhältnismäßig gut schneidet Spanien dagegen bei der Belegung der Justizvollzugsanstalten ab: Auf hundert Plätze in den Gefängnissen kommen 71,8 Häftlinge gegenüber einer durchschnittlichen Belegung von 90,2% in Gesamteuropa. Besonders Ungarn, Mazedonien, Belgien, Zypern und Frankreich haben Probleme mit der Überbelegung ihrer Gefängnisse, dort übersteigt die Zahl der Häftlinge bei Weitem die Zahl der verfügbaren Plätze. In Spanien ist Überbelegung dagegen kein Problem. 2016 gab es 53.508 Zellen für 60.687 Häftlinge, sodass nur rund ein Fünftel der Zellen doppelt belegt werden muss.

Das mittlere Alter der Strafgefangenen in Spanien beträgt 39 Jahre und liegt damit etwas höher als der europäische Durchschnitt von 36,3 Jahren. 7,6% sind Frauen gegenüber 5,5% in Gesamteuropa. Der Ausländeranteil liegt mit rund 25% über dem Durchschnitt von 11,6%. Jeder Häftling kostet den spanischen Staat 1.970 Euro monatlich.




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