Land der unbegrenzten Baby-Möglichkeiten


Immer mehr ausländische Paare nutzen die in Spanien geltende legere Gesetzgebung in Sachen Fortpflanzung

Spanien hat sich bei ausländischen Paaren mit Fruchtbarkeitsschwierigkeiten in ein begehrtes Reiseland verwandelt. Grund: die im Europa-Vergleich ungewöhnlich permissive Gesetzgebung sowie erstklassige Kliniken machen Spanien zu einem Paradies für Paare, die durch künstliche Befruchtung ihren Kinderwunsch verwirklichen wollen.

Madrid – Da es bislang kein offizielles Register über „Fortpflanzungstouristen“ in Spanien gibt, ist es schwierig, genaue Zahlen zu nennen. Doch die spanische Gesellschaft für Fruchtbarkeit (SEF), bei der alle freiwillig von Kliniken freigegebenen Daten in diesem Zusammenhang gesammelt werden, wagt zumindest eine annähernde Angabe.

„2005 wurden in Spanien knapp 42.000 Befruchtungszyklen durchgeführt, zwischen 15 und 20% davon  wurden bei Ausländern vorgenommen“, heißt es. Weit höher noch dürfte die Nachfrage ausländischer Paare nach Eizellen und Embryonen sein.

Inzwischen haben sich Kliniken in Barcelona, Madrid, Valencia und der Costa del Sol auf das gesteigerte Interesse ausländischer Paare eingestellt. „2003 haben wir damit angefangen. Damals behandelten wir etwa zehn Fälle ausländischer Paare mit Kinderwunsch pro Jahr. Inzwischen machen sie 60% unserer Aktivität aus“, so Raúl Olivares vom Institut Marqués in Barcelona. Die Klinik verfügt inzwischen über Übersetzerservice und behandelt Menschen aus über 30 Ländern, vor allem aber aus Großbritannien, Deutschland, Italien und Frankreich. Allein aus Deutschland sollen jährlich etwa 3.000 Frauen zur künstlichen Befruchtung nach Spanien reisen.

Ein Großteil der in diesen Gesundheitszentren praktizierenden Ärzte lehnt die in diesem Zusammenhang häufig zu hörende Bezeichnung „Fruchtbarkeitstourismus“ strikt ab. Die Patienten kämen lediglich zur Behandlung nach Spanien und würden danach sofort wieder abreisen. Die Beweggründe sind dabei ganz simpler Art: Die in ihrem Heimatland herrschende Gesetzeslage macht es ihnen nicht möglich, ihren Kinderwunsch vorort erfüllt zu sehen.

Förderlich ist diesbezüglich sicherlich auch die Tatsache, dass beispielsweise Eizellen-Spenderinnen in Spanien mit 900 Euro entschädigt werden. So komme es, dass während der Sommerzeit die Anzahl der Spenderinnen deutlich ansteige, da es sich meist um Studentinnen handle, die ihre im September anstehenden Studiengebühren damit finanzieren. Nicht zuletzt dank der meist jungen Spenderinnen erlangt Spanien eine Erfolgsquote von 50%, eine der höchsten Europas. In Deutschland ist schon die Eizellenspende an sich strikt verboten.




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