Kurz vor der Pleite

Die Flugzeugflotte von Air Europa wurde bereits um fast ein Fünftel verkleinert. Foto: efe

Die Flugzeugflotte von Air Europa wurde bereits um fast ein Fünftel verkleinert. Foto: efe

Air Europa beantragt staatliche Unterstützung in Höhe von 400 Millionen Euro

Madrid – Air Europa ist von der Corona-Krise besonders schwer getroffen, da die spanische Fluggesellschaft vor allem auf Flugstrecken nach Nord-, Mittel und Südamerika fokussiert ist. Aufgrund der strengen Einreisebeschränkungen und hoher Fallzahlen sind eben diese Reiseziele noch stärker durch die Auswirkungen des Virus betroffen als andere Regionen.
Nachdem die Airline bereits versucht hat, dem zu erwartenden Jahresverlust von etwa 450 Millionen Euro entgegenzuwirken, indem die Flugzeugflotte um fast ein Fünftel verkleinert wurde, sah sie sich jetzt dennoch gezwungen, staatliche Unterstützung zu beantragen. Konkret geht es um eine Finanzspritze von 400 Millionen Euro, die aus dem Fonds stammen soll, den die spanische Regierung im Zuge der Pandemie zur Rettung strategisch besonders unerlässlicher Unternehmen eingerichtet hat.
Der Antrag wird derzeit durch die „Staatsgesellschaft für Industriebeteiligungen“, in Spanien kurz SEPI genannt, geprüft, die den Rettungsfonds in Höhe von insgesamt 10 Milliarden Euro verwaltet. Diese muss nun nachweisen, dass die Finanzspritze aus öffentlichen Geldern tatsächlich nur dafür verwendet wird, eine drohende Pleite abzuwenden und die Funktionsfähigkeit des Unternehmens aufrechtzuhalten und nicht etwa auf direktem oder indirektem Weg Drittgesellschaften oder privaten Investoren zugutekommt.
Grund dafür ist die Tatsache, dass seit etwas über einem Jahr die Verhandlungen zum Kauf Air Europas durch den spanischen Luftfahrtkonzern International Airlines Group (IAG), zu dem unter anderem Iberia gehört, laufen. Der ursprüngliche Deal über einen Kaufpreis von einer Milliarde Euro, der im November 2019 beschlossen wurde, scheiterte bereits an der Corona-Krise. IAG möchte angesichts der gravierenden Auswirkungen nun einen geringeren Preis aushandeln. Bevor Air Europa nun also die beantragte staatliche Hilfe gewährt wird, muss sichergestellt sein, dass es dabei nicht einfach um die finanzielle Sanierung eines von der Pleite bedrohten Unternehmens durch Steuergelder geht, da das letztendlich vor allem IAG und der Air Europa-Haupteignerfamilie Hidalgo zugutekäme.
Fluggesellschaften wie Ryan­air haben demnach auch bereits angekündigt, sollte der zur Holding Globalia Corporación Empresarial gehörenden Air Europa die Finanzspritze gewährt werden, werde man den Vorgang den europäischen Wettbewerbsbehörden als illegal melden und notfalls auch vor Gericht gehen. Nicht umsonst ist die Rechtslage so, dass jede staatliche Hilfe über 250 Millionen der Europäischen Kommission gemeldet werden muss.
Sowohl das spanische Verkehrsministerium, das für die Verhandlungen verantwortlich ist, als auch Air Europa haben sich bislang zu den im Raum stehenden Vorwürfen nicht geäußert.
Bislang hat außer der Fluggesellschaft nur Duro Felguera, ein Anlagenbauunternehmen mit Sitz in Gijón, Asturien, im Rahmen der Pandemie Unterstützung aus dem staatlichen Rettungsfonds beantragt.

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