Kupferdiebe klauen Kabel


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In 8 Monaten 4,3 Millionen Euro Schaden

Das „Geschäft“ ist recht einfach: Der Dieb klettert eine Leiter hinauf und montiert Kabel ab. Er muss sie dann nur noch einsammeln und zu einem Schrotthändler bringen.

Madrid – Der zahlt einen guten Preis für das begehrte Kupfer und liefert es einer Recyclingfirma, die das Kupfer einschmelzen lässt. Das Rohmaterial geht an die Kabelhersteller, wo die E-Werke neue Kabel kaufen, um die gestohlenen zu ersetzen. Der Kreislauf wird so geschlossen, und die Zeche zahlen wir alle, die Stromkunden.

272 mal haben die Kupferdiebe in Spanien in diesem Jahr schon zugeschlagen. ENDESA, Spaniens größter Stromversorger, beziffert die Schäden auf insgesamt 4,3 Millionen Euro, das ist schon jetzt mehr als das Doppelte des vergangenen Jahres, als 130 Kupferdiebstähle gemeldet wurden.

Motiviert werden die Diebe durch die lukrativen Preise, die derzeit für Kupfer bezahlt werden. Seit 2008, als die Kupferpreise noch bei 3,50 Euro pro kg lagen, stieg der Preis auf 5,70 Euro, wie Ramón Alfonso, Professor an der Verwaltungsfachschule EADA, der Presse erklärte. Die Schrotthändler zahlen derzeit zwischen 1,30 Euro und 3,20 Euro das Kilo, je nachdem, ob es sich um sauberes Kupfer oder um Kabel mit Isolierung handelt, die vor dem Einschmelzen abgetrennt werden muss. „Wenn Du ein Auto oder Motorrad stiehlst, dann legst Du eine Fährte mit der Fahrgestellnummer. Wenn Du Schmuck raubst, musst Du einbrechen, und das ist riskant. Mit Kupfer hast Du keine solchen Probleme,“ beklagt der Professor und fügt hinzu, dass das meiste Kupfer aus nur drei Abbaugebieten stammt: dem Grenzgebiet von Chile und Bolivien, aus Russland und aus Kanada. „Zur Zeit gibt es eine wachsende Nachfrage aus Ländern wie China, Indonesien oder Brasilien, die mehr verbrauchen als geliefert werden kann.“

Die meisten Diebstähle werden aus Andalusien gemeldet, gefolgt von Katalonien. Auf den Kanaren wurden 13 Kupferdiebstähle registriert. Seit 2007 summierten sich die Schäden auf 16,4 Millionen Euro spanienweit. Hinzu kommt die Gefahr für die Bevölkerung durch abgeschnittene Kabelenden, die eventuell noch unter Strom stehen und elektrische Entladungen verursachen können. Auch für die Diebe ist es gefährlich, Kabel zu demontieren, die unter Strom stehen. Und letztlich leidet die Stromversorgung bis die gestohlenen Kabel ersetzt sind.

Es gibt Gemeinden wie Cis­tella bei Girona, die wegen der Kabeldiebe in einem Monat sieben mal ohne Telefon und Internet waren. Denn auch Telefónica hat fast eine Verdopplung des Diebstahls ihrer Kabel hinnehmen müssen. Allein in Katalonien wurden 500 Verdächtige im Zusammenhang mit Kabelklau festgenommen, doch nur 24 konnten eingesperrt werden, weil ihnen konkret etwas nachzuweisen war. Die katalanische Polizei schlägt vor, Kupferdiebstahl als „schweres Vergehen“ zu werten, um besser abzuschrecken. Denn Kabeldiebstahl ist recht einfach und risikolos, weshalb er viele Kleinkriminelle von niedrigem Niveau anzieht, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte. Firmen, die Metalle verarbeiten, raten ihren LKW-Fahrern inzwischen zum Abdecken der Firmenschilder, weil diese die Diebe dazu animieren, den Wagen auszurauben.

Die Guardia Civil von Madrid  setzt nun den Hebel bei den Schrotthändlern an. Bei Razzien im Sommer 2009 wurden mehr als 50 Personen verhaftet und der Hehlerei angeklagt. Auf der größten Razzia konnte ein ganzes Hehlernetz von Rumänen in El Gallinero, einem Slumviertel der Hauptstadt, zerschlagen werden. Sichergestellt wurden über 20 Tonnen Telefonkabel, 31 Fahrzeuge und vier Feuerwaffen. Kurz darauf wurden im selben Viertel noch einmal 30 Tonnen Kupfer sichergestellt und vier Personen verhaftet.




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