Kreuzfahrtschiff wurde zum Gefängnis


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82 Bolivianer durften ihren Luxusliner in spanischen Häfen nicht verlassen

Wegen des Verdachts der illegalen Immigration durften 82 Bolivianer, Fahrgäste des Kreuzfahrtschiffes „Sinfonía“ der Reederei MSC in drei spanischen Häfen nicht von Bord.

Valencia – Die Luxusreise, die in Rió de Janeiro in Brasilien startete, kostete die Betroffenen durchschnittlich etwa 2.000 Euro. Als sie jedoch in Santa Cruz de Tenerife als ersten spanischen Hafen anlegten, durften 82 der insgesamt 86 mitreisenden Bolivianer, darunter viele Kinder, nicht von Bord.

Nur vier der Bolivianer durften an Land, weil sie über ein Rückreise-Ticket verfügten und somit zufriedenstellend belegen konnten, dass sie nicht vorhatten, in Spanien zu bleiben. Das Ausländeramt gab als Begründung für das Verbot, demzufolge die anderen nicht von Bord durften an, dass ihre Papiere „nicht in Ordnung“ seien. In Wahrheit stand für die Beamten jedoch fest, dass die Kreuzfahrt-Passagiere nur ein Ziel hatten: spanischen Boden zu erreichen und ihr Glück zu versuchen.

Das ist zwar keine reguläre Reisemethode illegaler Einwanderer, wird in der letzten Zeit jedoch immer häufiger beobachtet, vor allem seitdem die Flüge häufig fast genauso teuer geworden sind wie die Überfahrt im Luxusliner.

Im Fall der Bolivianer wird der Verdacht unter anderem noch dadurch bekräftigt, dass sie nach einer neuen EU-Bestimmung ab dem 1. April für die Einreise nach Europa ein Visum benötigen. Seitdem ist die Einreise von Bolivianern nach Spanien so sehr gestiegen, dass so gut wie keine Flüge mehr zu buchen sind. Innerhalb von nur zwei Wochen sind rund 4.000 Bolivianer per Flugzeug nach Spanien gekommen.

Doch zurück zum Kreuzfahrtschiff. Nachdem die Betroffenen in Santa Cruz de Tenerife nicht von Bord durften, setzten sie all ihre Hoffnung auf die anderen beiden spanischen Häfen, in denen der Luxusliner anlegen sollte: Cádiz und Valencia. Doch auch hier durften sie aus dem gleichen Grund nicht von Bord: Ihre Papiere waren nicht vollständig, unter anderem fehlte ihnen die Genehmigung, um in Schengen-Gebiet einreisen zu dürfen. Außerdem konnten sie nicht beweisen, dass sie die Reise nur zum puren Vergnügen angetreten haben.

Der nächste Hafen, den die „Sinfonía“ ansteuerte und auf den die Betroffenen ihre letzte Hoffnung gesetzt hatten, war Genua in Italien. Doch dort machten die Behörden kurzen Prozess. Auf Staatskosten wurden alle 82 Bolivianer in den Flieger nach Madrid-Barajas gesteckt, von wo aus sie zurück in ihre Heimat geschickt wurden. Eine Heimat, in der sie von null anfangen müssen, denn viele der Passagiere hatten dort ihr gesamtes Hab und Gut verkauft, um die Fahrkarten für die Reise in ein vermeintlich besseres Leben zu bezahlen.




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