Kreditkarte für Lebensmittel


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Extremaduras Regionalpräsident will Hungernden helfen

Nach Barcelona und Andalusien will nun auch Extremadura den Kampf gegen den wachsenden Hunger in der Bevölkerung aufnehmen. So kündigte Regionalpräsident José Antonio Monago die Einführung von „Supermarktgutscheinen“ an.

Madrid – Barcelona machte den Anfang. Die Sozialdienste von Kataloniens Hauptstadt präsentierten Anfang Juni die „Solidarische Karte“, eine Art Kreditkarte, mit der Bedürftige bei über 230 Ausgabestellen Lebensmittel erhalten sollen. Zum einen wolle man die Schlangen vor den Lebensmittelausgabestellen verkürzen, zum anderen würden die Betroffenen mit Hilfe der Karte weniger stigmatisiert, erklärte Stadträtin Maite Fandos noch vor einigen Tagen. Kurz darauf zog Andalusien nach und stellte 16 Millionen Euro bereit, um allen andalusischen Kindern drei Mahlzeiten am Tag garantieren zu können. Tatsächlich lebt jedes sechste Kind in Andalusien unterhalb der Armutsgrenze, und der Hunger unter den Kleinen nimmt zu. Nun zahlt die Region Frühstück, Mittagessen und Nachmittagssnack, die an den Schulen ausgegeben werden.

Doch nun zu Extremadura. „Die Region steht seit Jahrzehnten an der Spitze der Armutslisten,“ erklärte Jesús Pérez Mayo, Professor für Wirtschaft an der Landesuniversität, gegenüber der Zeitung El País den Handlungsdruck des Regionalpräsidenten. José Antonio Monago sorgt nämlich derzeit mit der Einführung des „Supermarktgutscheines“ für Schlagzeilen. Vom Regierungschef allgemein angekündigt, ging Luis Alfonso Hernández Carrón, Leiter des Ressorts für Gesundheit und Sozialpolitik, dieser Tage näher auf die Idee ein. Laut Hernández Carrón habe man sich von den USA, Mexiko, Ecuador, Brasilien und Barcelona inspirieren lassen und wolle eine Art Kreditkarte einführen, auf der Geld oder Punkte gespeichert würden, die in Supermärkten gegen Lebensmittel eingetauscht werden könnten. Auch Monago möchte den notleidenden Menschen das lange Warten vor den Lebensmittelausgabestellen ersparen und eine weitere Stigmatisierung verhindern. Sein Ressortleiter zweifelt jedoch an der Durchführung vor Jahresende und erinnerte daran, dass es auch andere soziale Maßnahmen gäbe wie die „Minimalrente“ für diejenigen, die jegliche staatliche Unterstützung ausgeschöpft hätten.

Carmen de Aguirre, Präsidentin der Stiftung Lebensmittelbanken von Badajoz, begrüßte die Initiative: „Wir finden den Vorschlag sehr gut und hoffen, dass er bald umgesetzt wird. Je eher umso besser, denn die Not ist groß.“ Denn während die Zahl der Notleidenden wächst, sinkt die Zahl der Spender. Früher hätten die Fabriken die Produktionsüberschüsse den Lebensmittelbanken zur Verfügung gestellt, doch heute würde strikt nach Bestellung gearbeitet, erklärte Aguirre, deren Stiftung fast nur noch Gaben vom Roten Kreuz und von der Caritas erhält.




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