Korruptionsskandal bei Lokalpolizei von Coslada aufgedeckt


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26 Beamte, darunter der Polizeichef, wurden verhaftet

Der kleine Madrider Vorort Coslada (83.200 Einwohner) ist derzeit in Spanien in aller Munde. Grund ist die Aufde­ckung eines Korruptionsskandals, in den mindestens 30 Beamte sowie der Chef der Lokalpolizei – fast ein Fünftel aller Polizeikräfte der Gemeinde – verwickelt sein sollen und der in dieser Größenordnung in Spanien wohl einmalig ist.

Coslada – In Coslada selbst war die Angelegenheit schon seit vielen Jahren kein Geheimnis, zu viele der Einwohner hatten unter den mafiaähnlichen Machenschaften der Policía local zu leiden. Doch auf offizieller Ebene wurde unverständlicherweise erst jetzt eingegriffen. 

Am Morgen des 8. Mai wurden im Rahmen einer groß angelegten Razzia 25 Beamte sowie der Polizeichef Ginés Jiménez Buendía verhaftet. Sie werden unter anderem der Korruption, Bestechung, des Drogenbesitzes, der Pflichtverletzung und Veruntreuung beschuldigt. Hunderte von Beamten der Nationalpolizei mussten zum Einsatz kommen, um die Verhafteten vor den erbosten Einwohnern, die sich in großer Zahl vor dem Sitz der Gemeindepolizei versammelt hatten, zu schützen.

Die Ermittlungen gegen den korrupten Polizeiring begannen vor etwa drei Monaten. Eher durch Zufall war man im Rahmen von Untersuchungen gegen einen rumänischen Zu­hälterring auf die Machenschaften der Gemeindepolizei gestoßen, als sich eine der Pros­tituierten traute, auszusagen. Für die unzähligen Geschädigten ist es jedoch kaum zu glauben, dass von offizieller Ebene solange die Augen vor dem verschlossen wurden, was sich seit so vielen Jahren abspielte und in der Stadt ein „offenes Geheimnis“ war. Restaurant-, Diskotheken- und Kneipenbesitzer mussten Schutzgelder zahlen, ansonsten wurde ihnen der Laden dicht gemacht. Die meist illegal in Spanien lebenden Prostituierten wurden nicht nur zu Gratis-Sex gezwungen, sondern mussten den Beamten häufig auch noch Geld bezahlen, um nicht verhaftet zu werden. Verhaftete wurden in den Polizeidienststellen verprügelt ,sichergestelltes Rauschgift wurde unterschlagen und konfisziertes Diebesgut wieder verkauft.

Der „Pate“ und sein „Block“

Polizeichef Ginés Jiménez Buendía, der hinter vorgehaltener Hand nur „der Pate“ genannt wurde, regierte sein „Reich“ im besten Mafiastil und die Behörden sahen untätig zu. Als Helfeshelfer wählte er meist junge Polizisten, die noch über so gut wie keine Erfahrung verfügten. Er und seine engsten Zuspieler wurden der „Block“ genannt.

Die Behörden wollen von alldem nichts gewusst haben. Selbst nach den Festnahmen erklärte Bürgermeister Ángel Viveros (PSOE), der gleichzeitig auch der oberste politische Verantwortliche der Lokalpolizei ist, keine Ahnung davon gehabt zu haben, was sich hinter seinem Rücken abspielte.

Nach einem ersten Verhör wurden sieben der Verhafteten wieder auf freien Fuß gesetzt, während Polizeichef Jiménez Buendía und die übrigen Beamten hingegen in Untersuchungshaft kamen.

Coslada habe zwar ein Fünftel seiner Polizisten verloren, dafür sei die Stadt nun aber um so sicherer, wurde in den Medien kommentiert.




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