Korruption auf höchster Ebene


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Die Entsorgung einer illegalen Mülldeponie kostet 159 Mio. Euro

Barcelona – Jordi Pujol Ferrusola ist der älteste Sohn des ehemaligen katalanischen Regierungspräsidenten Jordi Pujol, im Amt von 1980-2003. Unter den Bürgern Kataloniens war Jordi Pujol als der „molt honorable president“,- sehr ehrenwerte Präsident, bekannt. Mit ihm war auch seine Familie tugendhaftes Beispiel für die Bewohner Kataloniens. Seine sieben Kinder sind alle erfolgreiche Geschäftsleute.

In den letzten Jahren zeichnete sich jedoch ein Skandal nach dem anderen ab. Gegen alle Mitglieder dieser „ehrenwerten“ Familie besteht nicht nur der Verdacht, sondern es stehen teilweise auch Klagen an. Illegal kassierte Provisionen, Geldwäsche und Vorteilsgewährung sind die Vergehen, über welche mehrere Gerichte urteilen müssen.

Bei den Verstößen handelt es sich allerdings nicht nur um Finanzdelikte. Im Falle der im touristisch erschlossenen Baix Empordá (Girona) liegenden illegalen Mülldeponie von Vacamorta (tote Kuh) handelt es sich um ein Umweltverbrechen, das die Verwaltungen bis jetzt geschätzte 159 Millionen Euro kosten könnte.

Die 15,4 Hektar große unerlaubte Mülldeponie ist 70 Meter tief. Laut einem Rechtsspruch von 2014 muss die Müllhalde abgetragen werden. Aber die Fachleute werden sich nicht einig darüber, wie die 2,9 Millionen Tonnen Müll und umweltverseuchende Schadstoffe entsorgt werden könnten. Aber nicht nur wie, sondern auch wohin mit den Resten ist ein großes Problem.

143.000 Lastwagenfahrten in fünfminütigen Abständen müssten für den Abtransport der Müllmengen durchgeführt werden, hat ein Vorprojekt der zuständigen Verwaltung ergeben.

Bei den Rückständen, die sich in der Deponie befinden, handelt es sich bei 49% um Schlamm aus Kläranlagen, 27%  Industrie-Müll und 13%  Bauabfälle.

Niemals zuvor haben Experten vor einer derartigen Aufgabe gestanden. Im Gespräch sind fünf Alternativen, allerdings nur zwei davon scheinen durchführbar. Unabhängig davon, für welche Möglichkeit die Fachleute sich entscheiden, kostet die Entsorgung der immensen Müllhalde jeden der 7,5 Millionen Einwohner Kataloniens 20 Euro.

Die verschiedenen Möglichkeiten, die Abfälle auf anderen Deponien unterzubringen, scheitern entweder an der Entfernung oder an deren Kapazität.

Erschreckend sind auch die Aussichten auf die Umweltbelastung, wenn der Müll von Vacamorta freigelegt wird. Zwei bis drei Kubikmeter Biogase kämen frei, 46% hiervon wäre Methan, Urheber des Treibhauseffekts. Die Fahrzeuge würden für den Abtransport 25,7 Millionen Liter Treibstoff verbrauchen. Hinzu käme der starke Gestank, dem die Anwohner am Transportweg ausgesetzt wären.

Der Bau einer neuen Deponie in einer Entfernung von 60 bis 80 Kilometern, die den notwendigen Umfang hätte, würde fünf Jahre dauern. Einerseits entspricht das nicht der im Urteil vorgegebenen Frist zur Räumung der Müllhalde, andererseits würde der Bau auf heftige Proteste der ansässigen Bewohner stoßen.

Die nachhaltigere Alternative wäre die Trennung der Müllreste nach ihren Bestandteilen wie Metalle, Autoreifen etc., denn so wäre ein großer Teil des Unrats wiederverwertbar. Ein allerdings sehr langsames Verfahren, welches 37 Jahre dauern könnte.

Die katalanische Regierung legt das Gerichtsurteil dahingehend aus, dass nur der Müll abgetragen werden sollte, der nach 2003 deponiert wurde. Das bedeutet, dass 330.000 Tonnen Abfall liegen bleiben würden. Gegen diese Entscheidung haben sowohl Umweltschutzorganisationen als auch die Gemeinde von Cruilles Einspruch erhoben.

Obwohl das Projekt der Mülldeponie mehrmals gerichtlich verboten worden war, benutzte Jordi Pujol Ferrusola seine Kontakte zur katalanischen Regierung und führte seine Geschäfte unbeirrt weiter.

Letztendlich wurde die Müllhalde 2006 gerichtlich geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Pujol Ferrusola seine Anteile aber bereits wieder verkauft. Der geschätzte Gewinn von 5,5 Millionen Euro soll über verschiedene Briefkastenfirmen in das Steuerparadies Isle of Man geflossen sein.

Bis 2014 wurde die Mülldeponie weiterhin vom Käufer, der Baufirma Fomento y Contratas (FCC), weiter betrieben und dann durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs endgültig geschlossen.




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