Konflikt um Exhumierung von García Lorca


Angehörige von Leidensgenossen wollen die Öffnung des Massengrabes

Im Zuge der von Baltasar Garzón, Ermittlungsrichter am Nationalgericht, angeordneten Untersuchung zur Aufklärung der politisch bedingten Verbrechen während des spanischen Bürgerkrieges (1936-1939) und der darauf folgenden Franco-Diktatur, ist ein Konflikt um die Exhumierung des Dichters und Schriftstellers Federico García Lorca entbrannt.

Madrid – Vor über 70 Jahren wurde der Verfasser von „Bernada Albas Haus“ und „Zigeunerromanzen“, der als Republikaner, Linker und Homosexueller den Faschisten um Franco ein besonderer Dorn im Auge war, von Anhängern des späteren Diktators hingerichtet und in einem Massengrab nahe Gra­nada in Südspanien verscharrt. Erst vor etwa 40 Jahren wurde das Grab entdeckt.

Hinterbliebene von zwei Leidensgenossen Lorcas fordern schon seit langem die Öffnung des Massengrabes, um die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen würdevoll bestatten zu können.

Die Familie des Dichters hatte jedoch bislang immer darauf gedrungen, das Grab so zu belassen wie es war, um es nicht zu „entweihen“. Nach den nun eingeleiteten Untersuchungen haben sich die Familien an den leitenden Ermittlungsrichter gewandt und offiziell die Öffnung des Massengrabes beantragt. Und diesmal könnten sie Erfolg haben, denn erstmalig hat die Familie Lorcas mitgeteilt, dass sie sich einer möglichen Exhumierung nicht weiter widersetzen wird. Wörtlich meinte Laura García Lorca, Nichte des Dichters und Vorsitzende der nach ihm benannten Stiftung: „Wir werden sie nicht verhindern. Auch wenn wir es vorziehen würden, dass es nicht geschieht, respektieren wir die Wünsche der anderen Betroffenen.“

Der Stein rollt unaufhaltsam

Trotz aller Versuche des rechten Lagers in Spanien dagegen zu steuern, ist nicht mehr zu übersehen, dass die von Garzón eingeleitete Untersuchung unweigerlich einen Stein ins Rollen gebracht hat, der so leicht nicht mehr zu bremsen sein wird.

Der Ermittlungsrichter hat inzwischen die Namen von 143.353 Franco-Opfern sowie unzählige Hinweise auf ihr Schicksal und den Ort erhalten, wo sie möglicherweise verscharrt worden sein könnten. Und diese Zahlen sind noch lange nicht endgültig. Die Namen wurden Garzón am 22. September von 22 Opferverbänden in Form eines Berichtes überreicht, der in jahrzehntelanger Arbeit zusammengestellt worden war. Kaum einer der betroffenen Angehörigen hätte sich bis vor kurzem noch träumen lassen, dass jemals dieser Moment kommen würde.




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