König Juan Carlos musste erneut unters Messer


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Eine Entzündung an der Hüftprothese machte die Operation erforderlich

In der letzten Septemberwoche musste sich König Juan Carlos erneut einer Operation unterziehen, nachdem er bereits längere Zeit Probleme mit der Prothese in der linken Hüfte hatte, die ihm im vergangenen Jahr eingesetzt worden war. Das Gewebe rund um die Prothese hatte sich entzündet, und offensichtlich litt der König unter erheblichen Schmerzen. Ein Ärzteteam unter der Leitung von Miguel Cabanela, weltweit anerkannter orthopädischer Chirurg aus der amerikanischen Mayo-Klinik, nahm die Operation vor.

Madrid – Dabei wurden die Prothese sowie das kranke Gewebe entfernt und durch eine vorübergehende, mit Antibiotika imprägnierte Prothese ersetzt, bis die Infektion abgeklungen ist. Gleichzeitig muss der Patient über mehrere Wochen intravenös mit Antibiotika behandelt werden.

Schon einen Tag nach der Operation konnte König Juan Carlos mit Hilfe eines Rollators einige Schritte gehen. In der ersten Oktoberwoche soll er nach Angaben der Ärzte die Klinik verlassen und mit der Rehabilitation beginnen können.

Dr. Cabanela erklärte vor den Medien, derartige Operationen seien zwischen 80 und 95 Prozent erfolgreich, doch das Ergebnis hänge zum großen Teil von der Aggressivität der Mikro-Organismen ab, welche die Infektion verursacht haben, aber auch vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

Zahlreiche Besucher

Neben Königin Sofía, dem Kronprinzenpaar und seinen beiden Töchtern besuchten auch die Spitze der Regierung und der Opposition den königlichen Patienten in der Universitätsklinik Quirón in Madrid. Von Präsident Rajoy ließ er sich über die Sitzung der UNO informieren, an der der spanische Regierungschef teilgenommen hatte. „Der Monarch ist an allen politischen Fragen lebhaft interessiert, und wir haben uns angeregt unterhalten. Ich bin sicher, dass er diese Situation bald überstanden hat“, erklärte er den wartenden Medienvertretern.

Honorarverzicht

„Miguel Cabanela, der Chirurg, der König Juan Carlos operierte, hat auf sein Honorar verzichtet, denn für ihn sei es eine Ehre, den Monarchen zu behandeln“, heißt es in einer Verlautbarung des Königshauses. Als Spezialist in rekonstruktiver Chirurgie reise der Arzt immer wieder in Krisengebiete, um mittellose Menschen zu operieren. Robert Trousdale, sein Kollege aus der Mayo-Klinik, der ihm bei der Operation assistierte, hat jedoch sein Honorar erhalten und ist inzwischen in die Staaten zurückgekehrt.

Keine Rücktrittsabsicht

Die erneute Operation des Königs hat die Diskussion über die Nachfolge wieder aufleben lassen, denn Kronprinz Felipe hat inzwischen eine große Zahl von Repräsentationspflichten übernommen und seine Sache sehr gut gemacht. Rosa Díez, Präsidentin der Partei UpyD, hat im Parlament vorgeschlagen, ein Gesetz zu verabschieden, das eine vorübergehende Abdankung im Falle von Krankheit oder einer Operation, wie im vorliegenden Fall, möglich macht und auch in anderen Staaten existiere. Dadurch wäre es nicht erforderlich, den entsprechenden Artikel der Spanischen Konstitution zu ändern, welcher die Nachfolgefrage im Königshaus regelt. Die Fraktion der Partido Popular im Madrider Parlament hat sich jedoch diesem Ansinnen widersetzt.




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