König Felipe warnt in Jerusalem vor dem Wiederaufleben von Hass und Antisemitismus

König Felipe wurde in Jerusalem vom israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin empfangen. Foto: Casa de su majestad el rey

Der spanische Monarch nahm am World Holocaust Forum teil

Jerusalem – König Felipe VI. hat sich im Rahmen des World Holocaust Forums, das am 22. Januar zum Gedenken des Holocausts anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz-Birkenau in Jerusalem stattfand, vehement gegen das Wiederaufleben von Hass, Rassismus und Antisemitismus ausgesprochen.
Dem Monarchen war die Ehre zuteil geworden, im Namen der rund 40 Staatsgäste, die der Einladung von Israels Präsidenten Reuven Rivlin gefolgt waren, zu sprechen. Diese Auszeichnung ist einerseits auf die enge Beziehung des Königs zu Rivlin zurückzuführen, besonders aber auf alles, was Sephardim in der Geschichte des jüdischen Volkes bedeutet. Als Sephardim bezeichnen sich die Juden und ihre Nachfahren, die bis zu ihrer Vertreibung 1492 und 1513 auf der Iberischen Halbinsel lebten.
Im Rahmen seiner Rede betonte der Monarch die feste Entschlossenheit aller Anwesenden, den Holocaust nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und achtsam zu bleiben, um eine Wiederholung zu verhindern. „Den Holocaust zu vergessen, würde nicht nur die Erinnerung an Millionen Opfer beschmutzen, sondern auch eine große Gefahr darstellen“, so der König wörtlich. Er zeigte sich dankbar für die Ehre, die ihm zuteil wurde und wies auf die „wertvolle, reiche und komplexe jüdische Vergangenheit“ in Spanien hin. „All die schrecklichen Taten, deren die Menschen fähig sind, sich gegenseitig zuzufügen, haben ihren Ursprung in der Ignoranz“, führte er weiter aus. Nichts sei schwerwiegender als das, was geschehen könne, „wenn verleugnet wird, dass Männer und Frauen gleich sind und dass jeder Mensch das Recht auf Würde innehat“. „Und nichts ist dümmer“, so der Monarch, „als das, was diejenigen predigen, die sich dazu legitimiert fühlen, zu diskriminieren, Intoleranz zuzulassen oder Groll aufgrund von politischen Interessen, religiösem Extremismus oder radikalem Hass zu schüren.“
Gerade jetzt, wo nur noch wenige Überlebende des Nazi-Regimes die Gräueltaten bezeugen können, müsse man besonders achtsam sein. „Wir sind nie sicher und dürfen niemals wegschauen“, meinte er. „Die Grausamkeit kann jederzeit wieder aufbrechen, sogar heute inmitten von fortschrittlicher Technologie und Kultur.“
Beim Namen nennen wollte der König diese neue Gefahr, die die moderne Gesellschaft bedroht, nicht, doch bezog er sich auf die „schrecklichen Angriffe“, denen Juden in jüngster Zeit an vielen Orten der Welt ausgesetzt sind. Spanien habe nicht zuletzt deswegen, ebenso wie andere Länder, beschlossen, ein „solides Rahmenwerk von Regeln und Initiativen zu schaffen, um unermüdlich gegen Antisemitismus sowie jegliche Form von Fremdenhass und Rassismus zu kämpfen“.

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