Klonen zu Zuchtzwecken ja, zum Verzehr nein


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Geklonter Kampfstier darf aus den USA nach Spanien importiert werden

Alcalde, ein in die Jahre gekommener und in Guadalix de la Sierra beheimateter Zuchtbulle, hat sich in den berühmtesten Kampfstier Spaniens verwandelt. Grund für den unverhofften Ruhm des fast 500 Kilo schweren Bullen ist die Tatsache, dass sein Besitzer, der Stierkampfunternehmer Victoriano del Río, seit über einem Jahr dafür gekämpft hat, sein wertvollstes Exemplar klonen zu lassen.

Madrid – Angekündigt und verwirklicht wurde dieses Anliegen bereits vor über einem Jahr. Doch erst jetzt und nach über sechs Monaten Papier- und Formalitätenkrieg hat die EU-Kommission ihren Segen für die Einreise aus Texas (USA) des geklonten Nachfahren Alcaldes erteilt. Hauptbedingung dafür war allerdings die Verpflichtung seitens des Besitzers, das Fleisch des geklonten Stieres nie für den menschlichen Konsum in den Handel einzubringen. Das gilt allerdings nicht für dessen Nachkommen, die wieder als „normale Tiere“ angesehen werden.

Damit hat es Brüssel geschickt umgangen, Stellung im Hinblick auf Fleisch geklonter Tiere zu beziehen. Einerseits heißt es nämlich immer wieder, das Fleisch sei für den Menschen unschädlich, andererseits befindet die Europäische Kommission jedoch auch, dass das Klonen gegen die Regeln des Wohlbefindens von Tieren verstoße.

Victoriano del Río sind diese Spitzfindigkeiten egal. Er freut sich jetzt nur noch auf die Ankunft des geklonten Alcalde, der vor einem Jahr in den sterilen Laborräumen des US-Unternehmens Viagen „gezeugt“ wurde. „Alcalde ist einzigartig. Unter seinen Nachkommen hat es absolut außergewöhnliche Kampfstiere gegeben“, erklärt del Río seine Beweggründe.

Alcalde selbst zieht derweil weiter träge durch sein Reich, eine weitläufige Weide in Guadalix de la Sierra (Madrid), die er sich mit 40 Kühen teilt. Mit 17 Jahren steht er am Ende seines Lebens, was ein Drama für seinen Besitzer bedeutet, hat er ihm doch zu jährlich mindes­tens 30 Nachkommen verholfen, denen der gute Ruf, ähnlich den Nachfahren eines Königshauses, bereits vorauseilte. Durch das geklonte Exemplar will del Río nicht nur seine vergoldete Einnahmequelle sichern, sondern auch den Fortbestand des Stierkampfes. Weit über 12.000 Euro war dem Züchter das Unterfangen Wert.




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