„Klimahäftling“ kehrt heim


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„Dem öffentlichen Druck ist es zu verdanken, dass wir entlassen wurden“

Als er auf dem Flughafen Kopenhagen eintraf, um nach Madrid zurückzukehren, brach ein strahlender Juan López de Uralde in schallendes Gelächter aus: Ein Flughafenangestellter räumte gerade ein Gree­­n­peace-Plakat mit den Forderungen an den Klimagipfel weg.

Madrid/Kopenhagen – Etwas abgemagert, aber glücklich kehrte der spanische Präsident der Umweltschutz-Organisation nach 21-tägiger Haft nach Hause zurück. (Das Wochenblatt berichtete). Neben seinem Gepäck trug er 600 dänische Kronen, etwa 80 Euro, bei sich, die ihm für seinen Gefängnisaufenthalt ausgezahlt worden waren.

Nachdrücklich bestritt er die Version der dänischen Polizei, dass seine Freilassung erfolgte, nachdem er und seine drei Mitstreiter sich endlich bereiterklärt hatten, die Namen weiterer Personen zu nennen, die an der Protestaktion in Kopenhagen teilgenommen hatten. „Wir waren von Anfang an kooperativ und haben das auch kundgetan“, widerspricht López de Uralde. „Es ist ausschließlich dem Druck der Bevölkerung der vier Länder zu verdanken, aus denen unsere Aktivisten stammen, dass wir freigelassen wurden – Norwegen, Schweiz, Holland und Spanien.“

Das Schlimmste an der dreiwöchigen Haft sei die absolute Einsamkeit gewesen, sagte Uralde, nicht mit der Familie sprechen oder den Kindern erklären zu können, weshalb ihr Vater im Gefängnis sitzt.

Auf dem Flughafen erwartete ihn neben seinem Anwalt auch Nuño Bordallo, der spanische Konsul in Kopenhagen. Er war der Vertreter der spanischen Botschaft, der ihn immer wieder besucht hat, sein einziger Kontakt mit der Au­ßenwelt. Mit einer herzlichen Umarmung verabschiedeten sich die Männer, bevor Uralde das Flugzeug nach Madrid bestieg.

Im Rahmen einer Pressekonferenz, die an Bord des berühmten Schiffes Rainbow Warrior stattfand, erläuterte ein Sprecher der Organisation die Ereignisse beim Weltklima-Gipfel, die zur Verhaftung der vier Aktivisten geführt hatten.

Kumi Nadoo, der Internationale Direktor von Greenpeace, der ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesend war, sagte wörtlich: „Das schlimmste Verbrechen, das beim Klimagipfel in Kopenhagen passierte, haben die politischen Führer begangen, die sich nicht einmal auf den kleinsten Nenner einigen konnten. Die Maßnahmen der Polizei und der Staatsanwaltschaft gegen die Umweltaktivisten waren unangemessen.“ Die gleiche Meinung vertrat auch Hugo Martín, ein sozialistischer Abgeordneter, der ebenfalls nach Kopenhagen gereist war.

An Bord der Maschine, die ihn nach Hause brachte, erfuhr Uralde im Detail von den Protestaktionen gegen seine Inhaftierung in Spanien und den 50.000 Unterschriften von Bür­gern, die seine Freilassung gefordert hatten.

Zwar durfte er vorerst nach Hause, doch weiß er nicht, wie es in seinem Fall weitergeht und ob er zur Verhandlung nach Kopenhagen zurückkehren muss.

Normale Maßnahmen

Der spanische Botschafter in Dänemark, Melitón Cardona, bezeichnete die Maßnahmen der dänischen Polizei gegen die Protestler als völlig normal. An einen Racheakt der Polizei die sich brüskiert sah, wie in der Presse zu lesen war, will er nicht glauben. „Kein Polizist kann ohne die Zustimmung eines Richters Personen inhaftieren. Uralde hat die gleiche Behandlung erfahren wie jeder andere Verhaftete in der gleichen Situation. Offenbar hat man in Spanien eine sehr idealisierte Vorstellung von Skandinavien.“

Strom von Neu-Mitgliedern

Wie alles auch immer eine positive Seite hat, konnte sich Greenpeace durch den Fall Uralde nicht nur über die enorme Medienpräsenz und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit freuen. Um mehr als zwanzig Prozent hat sich die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder erhöht.




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