Keine Kürzungen bei der Franco-Familie


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Mehr als 21.000 Euro, damit die Familie des Diktators Besucher erlaubt

Die starken Abstriche, welche die Regionalregierung von Galicien beim Etat für Erziehung und Kultur vornehmen musste, betreffen nicht den Vertrag, der jährlich mit den Erben Francos geschlossen wird.

A Coruña – Es geht um den Pazo de Meirás, ein historisches Herrenhaus, das dem Caudillo von der galizischen Bevölkerung zum Geschenk gemacht wurde und auf dessen Besitz die Familie nach wie vor besteht. Mitten im Bürgerkrieg war die Bevölkerung sozusagen zu Spenden gezwungen worden, um das Geschenk zu finanzieren.

Vor einigen Jahren hatte die sozialistische Vorgängerregierung durch einen Schachzug erreicht, dass das geschichts­trächtige Gebäude wenigstens teilweise für Besucher freigegeben wurde. Sie hatte es zum Monument von kulturellem Interesse erklärt und damit die gesetzliche Grundlage geschaffen, um die Erben Francos zur zeitweisen Öffnung für das Publikum zu verpflichten.

Seit dem 6. April kann der Pazo wieder jeden Freitag besichtigt werden, und die Regionalregierung, jetzt unter  Führung der Partido Popular, muss das entsprechende Abkommen erneuern.

Die galicische Regierung zahlte im vergangenen Jahr 18.000 Euro für den Öffnungszeitraum von sieben Monaten. Für die Monate, die im laufenden Jahr anfallen, müssten maximal 21.200 Euro aufgebracht werden, erklärte ein Regierungssprecher vor dem Regionalparlament. Nach dem Vorwurf der Opposition, die Regionalregierung unterwerfe sich den Forderungen der Familie Franco, wiegelte der Sprecher ab, die Kosten für den privaten Sicherheitsdienst während der Besuche beliefen sich lediglich auf 8.835 Euro. Die restlichen 12.300 Euro entfallen auf Kosten, die keine Verpflichtungen der Familie Franco sind, wie der Fremdenführer, ein didaktisches Programm und der Reservierungsdienst für die Eintrittskarten. Allerdings gehören auch die Sicherheit und die Versicherung dazu, die für das gesamte Jahr abgeschlossen sind, also ganzjährig der Familie Franco zugute kommen. Man werde also der Familie den gleichen Vertrag zusenden, wie im vergangenen Jahr, kündigte der Regierungssprecher an, was jedoch auf heftigen Widerspruch der Opposition stieß. „Überall wird gekürzt, bei Kultur und Erziehung mehr als zwanzig Prozent, da sei es nicht zu verstehen, dass die Francos nicht betroffen sind“, monierte der Sprecher.

Es gehe nicht um eine Gefälligkeit, sondern um einen Akt der Verantwortung, argumentiert die Regierung, denn immerhin könne das Anwesen Ziel von Vandalen werden.




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