Kaufen und halten ein schlechter Rat?


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Der DAX-Index hat seit seinem Tief im März fast 50 % zugelegt und steht nun bei ca. 5.500 Punkten. So hoch lag dieser Index allerdings schon im September vor 10 Jahren.

Seit seinem Hoch im Jahre 2000 fiel der Index nach dem Platzen der Technologieblase 2003 bis auf 2.200 Punkte, um dann bis zum Juni 2007 auf ein neues Hoch von 8.100 Punkte zu steigen. In den letzten 10 Jahren hatte der DAX also eine Schwankungsbreite von 6.000 Punkten. Alle anderen Aktienindizes haben in der gleichen Art reagiert.

Anleger, die sich in dieser Zeit von Aktien ferngehalten haben, ersparten sich eine für die Nerven äußerst beunruhigende Berg- und Talfahrt. Darüber hinaus haben sie in dieser Zeit kräftig Zinsen gesammelt. Alle Studien beweisen jedoch, dass langfristig Aktien, also Unternehmen, die besten Anlagen sind. Lohnt es sich nun, aktiv Aktien zu kaufen und zu verkaufen? Dies würde grund­sätzlich voraussetzen, dass der einzelne Anleger einen Wissensvorsprung gegenüber der Allgemeinheit hat und somit in seiner Prognose richtig liegt.

Haben große Wertpapierhandelshäuser einen derartigen Wissensvorsprung? Vor Kur­­zem sorgte ein Gerücht für Aufregung, dass ein Angestellter von Goldman Sachs seiner Firma Handelssoftware entwendet hätte. Goldman Sachs, die im zweiten Quartal 2009 einen überraschend hohen Gewinn im Wertpapierhandel erwirtschaftete, dementierte das Gerücht, diese Programme hätten einen großen Einfluss auf den Gewinn, umgehend. In diesem Zusammenhang wurde an der Wall Street zum ersten Mal über den superschnellen Aktienhandel auf Basis von Computerprogrammen heftig diskutiert. Die NYSE Euronext verkürzte an der New York Stock Exchange (NYSE) die Orderausfüh-rungszeit auf ein Zwanzigstel gegenüber der Konkurrenz. Dank des neuen Systems werden die Orders an der NYSE nun innerhalb von fünf statt 105 Millisekunden ausgeführt. Bei dieser Geschwindigkeit kann kein menschlicher Händler mehr reagieren. Käufe und Verkäufe beruhen nicht mehr auf menschlichen Entscheidungen, sondern auf voll automatisierten Handelsstrategien, die per Computer umgesetzt werden. Der schnelle Computerhandel, der die kleinsten Preisbewegungen nutzt, um Gewinne zu erwirtschaften, soll nach Angaben der Beratungsgesellschaft Tabb Group mittlerweile schon mehr als 70 % des täglichen Handelsvolumens verantworten. Gegen diesen schnellen Handel haben private Kapitalanleger keine Chance.

Aber in der Ruhe liegt die Kraft – und auch der Erfolg. Kapitalanleger sollten sich auf die alten Tugenden eines langfristig denkenden Anlegers besinnen und zuerst bestimmen, wie hoch der Aktienanteil in ihrem Portfolio sein soll, und zwar aufgrund von Alter, Risikobereitschaft und Lebensumständen. Verfolgt man eine langfristige Strategie mit Aktien und Renten, deren Verhältnis man regelmäßig anpasst, so war „Kaufen und halten“ auch in den letzten 10 Jahren kein schlechter Rat. Zwar ist der deutsche Aktienindex DAX von seinem Höhepunkt im Jahr 2000 immer noch 34 % entfernt. Ein strategisch ausgerichtetes Portfolio – bestehend aus 50 % Aktien und 50 % Renten – liegt jedoch seit 01.01.1999 mit 52 % im Plus. Mit diesem Portfolio hätten Sie 4,04 % pro Jahr verdient und wären immer gut diversifiziert gewesen. Der höchste Verlust lag im Jahr 2002 bei –17,5 %. Hielten Sie einen strategischen Anteil von 15 % Aktien, läge ihre Rendite über diesen Zeitraum bei 4,70 % und im schlechtesten Jahr hätten Sie immer noch 1 % Gewinn gemacht. Jeder langfristig denkende Anleger ist manchmal in der unglücklichen Lage, warten zu müssen, bevor sich die Luft klärt. Warren Buffet, der bekannte Inves­tor, erinnert jedoch regelmäßig daran, dass ein Preis in Form von Wartezeit gezahlt wird, bevor sich eine Strategie bezahlt macht.

Alle Anlagen – auch Geldanlagen – sind im Angesicht der schwierigen langfristigen wirtschaftlichen Probleme im Moment eher unstabil und risikobehaftet. Investoren sind, sofern sie sich auf das „Kaufen und Verkaufen“ einlassen, Spielball des Marktes und ihrer Gefühle. Die außergewöhnlichen Umstände der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation machen jede Prognose, vor allem die langfristige, schwierig und Fehlprognosen werden weiterhin sehr teuer sein. Angesichts der derzeitigen Unsicherheit aller Prognosen halten wir bei dem von gemanagten Portfolio nach bisher 18 % Plus in diesem Jahr Kurs – auch wenn wir dafür kurzfristig bestraft werden könnten.

Mehr Informationen?

Bei Interesse können Sie bei Herrn Robert Burlon unter der Telefon-Nr.: 922-57 54 96 Näheres erfahren.       




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