Katholische Familien gegen Schulreform


Ministerin Isabel Celaá will die öffentlichen Schulen stärken. FOTO: EFE

Elternverbände wenden sich gegen Teile der geplanten Bildungsreform

Madrid – Das spanische Bildungsministerium unter der Führung von Isabel Celaá bereitet eine neuerliche Schulreform vor. Geplant ist unter anderem, das Anwachsen des Anteils, den die staatlich teilfinanzierten Privatschulen (Colegios concertados) im spanischen Bildungswesen einnehmen, zu bremsen, dem Religionsunterricht weniger Gewicht zu geben und die Koedukation bei der Finanzierung zu bevorzugen. Ob dieser Entwicklung regt sich Widerstand in den Reihen der katholischen Elternverbände. Der Präsident des Nationalen Katholischen Elternbundes Concapa, Pedro Caballero, hat für den Fall, dass es keine Zugeständnisse seitens der Politik gibt, Demonstrationen angekündigt. Die „Plataforma Concertados“, ein gemeinsames Sprachrohr ver­schie­dener katholischer Schulinitiativen, darunter Concapa und „Escuelas Católicas“, das für rund zweieinhalb Millionen Schüler steht, will gegebenenfalls auch rechtliche Schritte unternehmen.

Religion oder Freizeit

Die Spanische Bischofskonferenz musste schon zähneknirschend akzeptieren, dass die Religionsnote weder für den Notendurchschnitt noch bei der Bewilligung von Stipendien berücksichtigt wird, will aber keinesfalls zulassen, dass das Fach nun gar nicht mehr ins Gewicht fällt. Ebenso wenig wird die geplante Abschaffung der Alternative zur Religion, ein Fach namens „Valores Éticos“ hinge­nommen werden. Stattdessen soll ein diffuses Fach, „Atención Educativa“ (Erzieherische Betreuung), angeboten oder das Fach Religion eventuell gar in die letzten und ersten Stunden des Schultages gelegt werden, damit die Schüler, welche den Religionsunterricht nicht wahrnehmen, mehr Freizeit haben. José María Alvira, Generalsekretär von „Escuelas Católicas“, kritisiert, dass für die Schüler so ein Anreiz geschaffen werde, Religion abzuwählen. Der Concapa-Bund befürchtet zudem, dass Religion künftig im Abitur überhaupt nicht mehr angeboten werden könnte.

Für Streit sorgt auch das Ansinnen des Bildungsministeriums, die Zusammensetzung der Schulräte zu ändern, denen wieder ein Repräsentant des örtlichen Stadtrates angehören soll, so wie es bis vor wenigen Jahren üblich war und in den Schulräten der öffentlichen Schulen noch ist. Alvira dagegen sieht in der Entsendung eines „Politkommissars“, der die Führung der Schule „kontrolliere“, eine inakzeptable Einmischung.

Auch zum Thema Koedukation gibt es Unstimmigkeiten zwischen der Regierung und den katholisch orientierten Schulen. Ministerin Celaá will jenen Privatschulen, die Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichten, Priorität einräumen vor jenen, welche nach Geschlechtern getrennten Unterricht anbieten. Santiago García vom Spanischen Schulverband Cece erklärte dazu, dass die geschlechtsspezifische Erziehung durch die Verfassung und die Unesco gedeckt sei. Man werde gerichtlich dagegen vorgehen, wenn diese gegenüber anderen Schulformen diskriminiert würde.

Ein weiterer umstrittener Punkt der Reform ist die „soziale Nachfrage“, ein Begriff, unter dem es im bisherigen Bildungsgesetz für Privatschulen möglich ist, sich zu vergrößern, wenn mehr Plätze durch Eltern nachgefragt werden. Die Befürworter dieser Regelung, wie Begoña Ladrón de Guevara, Präsidentin des Elternbundes Cofapa, sehen durch eine Abschaffung den Verfassungsartikel 27 verletzt, der die Freiheit der Familien, die Schulbildung ihrer Kinder zu wählen, garantiert. „Wenn man nicht auf uns hört, dann werden wir uns Gehör verschaffen“, kündigte sie an. Und José María Alvira von „Escuelas Católicas“ spricht gar von einer „Verstaatlichung“ der Bildung.




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