Katalanen bevorzugen die Autonomie


Nach einer aktuellen Meinungsumfrage stehen nur noch 40,8% der Bürger Kataloniens hinter der Unabhängigkeitsbewegung

Barcelona – Die Unterstützung der Katalanen für eine Abspaltung von Spanien befindet sich im freiem Fall. In den letzten vier Monaten ist die Zahl der Anhänger, welche die Unabhängigkeit unterstützen, von 48,7% im Oktober letzten Jahres auf etwas mehr als 40% zurückgegangen. Das ist einer Umfrage zu entnehmen, die das Zentrum für Meinungsstudien CEO in Katalonien durchgeführt hat. Die Mehrheit der befragten Personen zieht es vor, das Modell einer autonomen Region beizubehalten. Im Oktober, als sich die Krise in Katalonien auf ihrem Höhepunkt befand, sprachen sich nur 36,3% der katalanischen Bürger für diese Regierungsform aus.

Im Februar 2012, als Regionalpolitiker die ersten politischen Schritte in Richtung Unabhängigkeit von Spanien wagten, lag das Umfrageergebnis bei 32,3% zu 29,2% zugunsten eines Verbleibs bei Spanien. Doch ab diesem Datum stimmen die Katalanen stets mehrheitlich für einen Bruch mit Madrid. Einige Male klaffte eine abgrundtiefe Kluft zwischen Befürwortern und Gegnern. So im November 2013 nach der zweiten großen Unabhängigkeitskundgebung in Barcelona. 48,5% der Befragten wollten einen unabhängigen Staat und nur 18,6% zogen die autonome Region vor.

Im Oktober letzten Jahres, nach dem illegalen Referendum, wollte noch die Mehrzahl der Bürger einen eigenen Staat. Doch nach all den Wirren, die nach diesen denkwürdigen Ereignissen folgten, wie die Proklamation der katalanischen Republik am 27. Oktober, die Absetzung der katalanischen Regierung aufgrund des Artikels 155 der Spanischen Verfassung, die Flucht des Regierungschefs und vier seiner Minister nach Brüssel und die Verhaftung und Anklage der Anführer des Abspaltungsprozesses haben die Bürger offenbar zum Umdenken gebracht. Mehr als 7% haben sich von der Idee abgewandt, während die Zahl der Befürworter einer autonomen Region um 9% zugenommen hat.

Mehr als 60% der befragten katalanischen Bürger sind jedoch der Meinung, dass die Region Katalonien noch nicht das ausreichende Niveau an Selbstbestimmung erreicht hat, während 23% glauben, dass sie über ausreichende Kompetenzen verfügt.

Eine ganz konkrete Frage der Meinungsforscher zeigt die Ablehnung einer Abspaltung deutlich: „Wollen Sie, dass Katalonien ein unabhängiger Staat wird?“. 53,9% der Antworten lauteten Nein, während 40,8% mit einem Ja antworteten. Eine so deutliche Differenz von 13 Punkten gab es nach Auskunft des CEO in seiner Geschichte noch nie.

Bei anderen Fragen, die noch gestellt wurden, ging es um das Zugehörigkeitsgefühl. 41% erklärten, dass sie sowohl Spanier als auch Katalane seien, während 21,7% sich ausschließlich als Katalanen fühlen, 18,6% mehr Katalane als Spanier. Nur 8% erklärten, sie seien nur Spanier und 7,6% mehr Spanier als Katalane.

Auch auf die Frage, wie es denn nun weitergehen soll, sind die Meinungen geteilt. Doch die Mehrzahl erwartet, dass die Regierung, die aus den Wahlen vom 21. Dezember hervorgegangen ist, aber noch nicht gebildet wurde, mit der Zentralregierung in Madrid bilaterale Verhandlungen führen sollte, um mehr Kompetenzen, vor allem steuerlicher und wirtschaftlicher Art, zu übernehmen.

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