Japan – Tragödie und Konsequenz


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Bevor wir auf die Tragödie und ihre Auswirkungen kommen, möchten wir betonen, dass unsere Gedanken bei den Opfern der tragischen Vorkommnisse in Japan sind.

Eine außergewöhnlich schwere Naturkatastrophe hat sich in Japan ereignet, ein Erdbeben gefolgt von einem Tsunami. Beides hat laut neuesten Schätzungen Zerstörungen im Wert von 200 Milliarden Euro verursacht. Damit übertreffen sie die Schadenssumme von rund 110 Milliarden US-Dollar, die 1995 durch das Erdbeben in Kobe verursacht wurden. Jedoch müssen auch diese Kalkulationen völlig neu überdacht werden, wenn die Größe der Schäden durch den Unfall in der Atomanlage Fukushima abgeschätzt werden kann. Und hier sind wir wieder an dem Punkt, wo man sagen muss: „Experten sind am meisten gefragt, wenn sie am wenigsten wissen.“ Weder wir noch der Rest der Welt weiß, was noch passieren wird, weder die Physiker noch die Ökonomen.

Wir wollen aber zumindest den Versuch unternehmen, die ökonomischen Folgen der Katastrophe und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte zu beurteilen. So zynisch es klingen mag: Es gab in den vergangenen Jahrzehnten so gut wie keine noch so schlimme Katastrophe, die das Wirtschaftsleben mehr als ein paar Wochen beeinträchtigt hätte. Bei Naturkatastrophen gab es in der Vergangenheit immer wieder eine steile, V-förmige Erholung. Tatsächlich hat keine der großen Natur- und Nuklearkatastrophen wie zum Beispiel Three Mile Island, Tschernobyl, der Tsunami 2004, das Erdbeben in Kobe, der Hurrikan Katrina und der 11. September eine Rezession ausgelöst. In allen Fällen ist sowohl die Weltwirtschaft als auch die Börse auf den vorjährigen Trend in weniger als einem Jahr zurückgekehrt. Es liegt in der menschlichen Natur, dass im Augenblick der Angst die Folgen regelmäßig überschätzt werden. Erschreckend ist jedoch, dass zwar Katastrophen bisher keine langfristigen negativen Auswirkungen auf die globale Weltwirtschaft hervorgerufen haben, wohl aber die Finanzwirtschaft mit der Lehman-Pleite 2008. In diesem Fall vertrauten sich die Banken nicht mehr untereinander und es wurde kein Geld mehr verliehen. Dies führte dazu, dass der weltweite Handel nicht mehr finanziert wurde. So nahm dann die weltweite Krise ihren Verlauf. Wenn jetzt aufgrund des Atomdesasters das Vertrauen der Welt in die Versorgung mit Energie schwindet, dann trifft das wieder jeden. Ähnlich wie bei der Finanzkrise könnten wir abermals eine globale Vertrauenskrise bekommen. Wie immer bei einer Vertrauenskrise werden Privatleute und Firmen Bargeld aufhäufen und keine Investitionen mehr tätigen. Damit werden die Wirtschaftsleistungen weltweit sinken und die Börsenkurse abstürzen.

Trotzdem bleiben wir, wie auch in der Vergangenheit, der Meinung, dass man nur mit einem systematischen Vorgehen bei der Kapitalanlage erfolgreich sein kann. Das heißt für uns: Wir halten grundsätzlich das Verhältnis von Aktien zu festverzinslichen Werten durch Kauf und Verkauf auch in diesen Zeiten stabil. Nun gibt es aber schwarze Schwäne. Sie kommen in der Natur sehr selten vor, aber – und das ist wichtig – es gibt sie. In der Finanzwirtschaft bezeichnet der schwarze Schwan ein sehr unwahrscheinliches Ereignis. Allerdings taucht der schwarze Schwan in letzter Zeit immer häufiger auf und wir haben die Überzeugung gewonnen, dass er zu unserem ständigen Begleiter werden wird.

Wir leben in einer Welt des relativen Reichtums und der absoluten Ungewissheit, in der die Anfälligkeit der technischen und ökonomischen Systeme für unerwartete Schwankungen und Ausfälle aller Art ständig wächst. Daher muss von Zeit zu Zeit das langfristige systematische Vorgehen aufgrund überraschender Ereignisse opportunistisch unterbrochen werden. Denn neben einer konsequent umgesetzten Strategie ist das wichtigste Ziel, den vorübergehenden Verlust von Kapital, der immer wieder auftritt, möglichst klein zu halten. Wir haben deswegen bereits am 15. März geraten, die Hälfte einer bestehenden Aktienposition im Wertpapierdepot abzusichern. Hoffentlich wird diese Versicherung letztendlich nur Geld kosten. Denn wie üblich, hofft man beim Abschluss einer Versicherung, dass der versicherte Fall nie eintritt und man somit auf den Kosten sitzen bleibt.

Mehr Informationen?

Haben Sie Interesse? – Sie können bei Herrn Robert Burlon unter der Telefon-Nr.: 922 57 54 96 Näheres erfahren.




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