Jakobsbuch wieder aufgetaucht


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Die wertvolle Textsammlung aus dem 11. Jahrhundert war vor einem Jahr gestohlen worden

Fast auf den Tag genau ein Jahr, nachdem der Diebstahl des Jakobsbuches (auch: Codex Calixtinus) aus der Kathedrale von Santiago de Compostela entdeckt wurde, stieß die Polizei in einer Garage auf die wertvolle Textsammlung aus dem 11. Jahrhundert.

A Coruña – Des Diebstahls überführt wurden der langjährige Elektriker der Kathedrale und seine Familienangehörigen.

Am fünften Juli 2011 verschwand das weltberühmte Jakobsbuch, das als erster Reiseführer der Geschichte gilt und seit dem 11. Jahrhundert die Pilger auf dem Jakobsweg leitete, aus der Sicherheitskammer im Archiv der Kathedrale. Schon bald hatte die Nationalpolizei ihre Ermittlungen auf die Angestellten konzentriert, und am 3. Juli, nach fast einem Jahr, konnte schließlich  der ehemalige Elektriker der Kathedrale festgenommen werden. Manuel Fernández Castiñeiras hatte 25 Jahre lang dort seinen Dienst getan, war jedoch einige Monate zuvor entlassen worden. Seine Ehefrau, deren Sohn und dessen Freundin  wurden ebenfalls wegen Verdachts auf Diebstahl festgenommen. Zuvor hatten die Beamten diverse Gebäude im nahe gelegenen Milladoiro durchsucht, die mit der Familie in Verbindung gebracht wurden. In einer Garage, eingepackt in einen Plastiksack, fanden sie schließlich das Jakobsbuch, dessen Wert bereits 1990 auf sechs Millionen Euro geschätzt wurde. Im Laufe der Durchsuchungen stießen die Beamten noch auf weitere, aus der Kathedrale entwendete wertvolle Gegenstände wie Bücher, Goldmünzen und Silberbarren. Ebenso kamen sechs Kopien des Codex sowie 1,2 Millionen Euro in bar zutage.

Nachdem zunächst nur das Jakobsbuch aufgetaucht war, hatte Fernández Castiñeiras erklärt, er habe es aus Frust über seine Entlassung gestohlen. Als jedoch im Laufe der weiteren Untersuchungen immer mehr Bargeld und Wertgegenstände, sowie Immobilien und Grundstücke im Besitz der Familie lokalisiert werden konnten, wurde klar, dass er den Kirchenschatz systematisch ausgeraubt hatte.

José María Díaz, der Dean – oberster Leiter der Kathedrale von Santiago – will nichts von einem Racheakt wegen der Entlassung wissen. Er ist davon überzeugt, dass sich der treulose Mitarbeiter systematisch an den „Klingelbeuteln“ vergriffen hat. Er ist selbst in die Kritik geraten, denn offensichtlich hatte Fernández Castiñeira irgendwann seine Schlüssel entwendet und sich Kopien angefertigt, um somit überall Zugang zu haben. So sind aus den Privaträumen des Bischofs auch persönliche Briefe und Schriftstücke in die Hände des Elektrikers gelangt.

Während die Untersuchungen der Polizei weitergehen, wurde erneut ein Koffer mit 600.000 Euro aufgefunden und in einer der Wohnungen weitere 300.000 US-Dollar (244.000 €), sodass sich die Summe des sichergestellten Geldes inzwischen auf mehr als zwei Millionen Euro  beläuft. Jetzt versucht die Polizei aufzuklären, ob all dieses Geld aus den Opferstöcken stammt, oder auch aus dem Verkauf von entwendeten Kunstwerken.

Alle Fakten, die durch diese Diebstahlserie ans Tageslicht kamen, haben logischerweise heftige Diskussionen in der Öffentlichkeit ausgelöst, die alle in der Frage gipfeln: Wie streng werden die Opfergelder von der Kirche kontrolliert, und wie leichtsinnig geht sie damit um, dass eine solche Diebstahlserie über Jahre nicht entdeckt wurde.

Am 8. Juli überreichte Präsident Mariano Rajoy das Jakobsbuch offiziell dem Erzbischof von Santiago de Compostela, der den Codex dankbar und offensichtlich erleichtert in Empfang nahm.




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