Investments in Schwellenländern – ein sicherer Hafen?


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Mit der immer noch nicht gelösten Situation in Europa fragen sich viele Anleger: Was sollen wir tun? Halten auch die Schwellenländer nicht, was sie versprochen hatten? Denn die Kapitalanlagemärkte in den Schwellenländern sind alles andere als liquide.

Länder wie Argentinien oder Aktiengesellschaften, die in letzter Zeit Probleme hatten, haben ihre Werte ruckartig fallen sehen. Angesichts solcher Schwankungen ist es wenig überraschend, dass viele Investoren nach wie vor an der Seitenlinie stehen und abwarten, wie sich die Lage in Europa entwickelt. Denn die europäische Krise hat einen weitreichenden Einfluss auf den weltweiten Handel.

Im Mai ist der chinesische Export gegenüber dem Vorjahr um 15,3% gestiegen – eine ermutigende Zahl. Aber die Verschiffungen nach Europa fielen nur 1,3% höher aus als im Vorjahr. Dagegen sind die Exporte in die USA um 12% gestiegen. Das zeigt, welche Auswirkungen die europäische Krise hat. Diese sind zwar für jene Länder gravierender, die engere Handelsbeziehungen zu Europa haben, wie die Türkei, Russland und Osteuropa, als für jene, die wie Mexiko, Zentral- und Südamerika eine engere Verbindung zu den Vereinigten Staaten haben. Aber im Moment nimmt die europäische Krise auch Einfluss auf die Rohstoffpreise, da auch die Nachfrage nach Rohstoffen in Europa rückläufig ist. Hinzu kommt, dass in letzter Zeit durch die Weiterentwicklung der Technologie, zum Beispiel das Frac-Verfahren, neue Energievorräte erschlossen wurden und dies für sinkende Preise bei Öl, Kohle und Gas sorgt.

Ein anderes Problem für die Schwellenländer könnte die Verringerung des Angebots an Konsumentenkrediten werden: Nach der globalen Kreditkrise von 2008 ist viel Kapital aus den Industrieländern in die Schwellenländer geflossen. Damals herrschte die Überzeugung, dass die Schwellenländer wegen höheren Wachstums, niedrigerer Schuldenquoten und einer jüngeren Bevölkerung bessere Investitionsmöglichkeiten bieten. Das meiste Geld floss über die lokalen Finanzsysteme in Konsumentenkredite. Was dazu führte, dass in einigen Schwellenländern wie China, Kolumbien, Peru, Chile, der Türkei und Indonesien die Konsumentenkredite deutlich stiegen. Zudem wurden vielfach neue, bisher in den Märkten unbekannte Produkte wie Kreditkarten, Hypotheken und Automobildarlehen eingeführt. Das Ergebnis: In den letzten vier Jahren wurden Immobilien, Haushaltsgeräte, Luxusgüter und Autos in den Schwellenländern in großen Mengen abgesetzt – was wesentlich zum Wachstum vieler westlicher Weltkonzerne beitrug.

Die Finanzkrise in Europa hat den Geldfluss in die Schwellenländer nun teilweise ausgetrocknet. Einige gut beurteilte Schwellenländer haben sich an den Privatmarkt für weitere Finanzierungen gewendet. Gleichzeitig sind aber ihre Bilanzstrukturen schlechter geworden: In einigen Schwellenländern sind die privaten Haushalte inzwischen sehr hoch verschuldet und das Verhältnis von Privatverschuldung zu Bruttoinlandsprodukt liegt zum Teil bei über 100%. Das relativiert die teilweise geringe staatliche Verschuldung. Außerdem haben diese Länder sehr wenig Erfahrung mit Kreditzyklen. Wobei allerdings das Bewusstsein für die mit Krediten einhergehenden Prob­­leme wächst: Einige Länder informieren mittlerweile im Werbeteil des Fernsehprogramms darüber, wie man Kreditprobleme regeln kann. Auch in den Talkshows ist es ein wiederkehrendes Thema.

Zum Glück für die Schwellenländer sind ihre Staatsschuldenquoten noch niedrig und ihre Währungsreserven hoch. Ein Grund dafür ist, dass die Währungen dieser Länder in den letzten zehn Jahren teilweise drastisch an Wert gewonnen haben; inzwischen sind sie teilweise bis zu 40% überbewertet. Ein Rückgang auf Kaufkraftparität würde die Schuldenquote also rapide ansteigen lassen. Zur gleichen Zeit würden dann wahrscheinlich internationale Gelder wieder in erheblichen Umfang abgezogen und die Währungsreserven entsprechend geschmälert.

Auch die Schwellenländer sind also kein sicherer Hafen. Die Wahrheit liegt wie immer zwischen Euphorie und Angst. Für Sie heißt das: Chancen wahrnehmen und Risiken beurteilen – und nie alles auf eine Karte setzen.

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