In Muras bezahlen die Einwohner keinen Strom


Der kleine Ort profitiert endlich von der Windkraft vor der Haustür

Lugo – Im galicischen Dorf Muras ist der Strom so billig wie nirgendwo. Die Gemeinde übernimmt größtenteils die Stromrechnungen für ihre Einwohner, die höchstens einen geringen Anteil übernehmen müssen. Warum? Weil es in Muras fast so viele Windkraftanlagen gibt wie die Stadt Bürger hat, und die Gemeindeverwaltung mit den von den Energiekonzernen eingenommenen Abgaben die Stromkosten der Bewohner übernimmt.

Im Hinterland der Provinz Lugo, inmitten des Gebirgszuges Serra do Xistral, liegt Muras. Hier weht fast immer ein starker Wind, ein Umstand, den Stromkonzerne wie Acciona, Iberdrola oder Norvento genutzt haben, um den Einwohnern seit Mitte der 90er-Jahre für 20 Cent pro Quadratmeter Land abzukaufen. Es hieß, ihr Land sei nichts wert. Heute stehen hier in 20 Windparks 381 Windräder. Bürgermeister Manuel Requeijo erklärte im Gespräch mit der Zeitung El País, bis vor Kurzem hätten die Einwohner nur Nachteile von den Installationen gehabt. Sie hätten den Lärm und die Verschandelung der Umgebung der bis auf 400 m an die Häuser heranreichenden Windkraftanlagen ertragen müssen, ohne irgendeinen Nutzen zu haben. In der Gegend gibt es Häuser, die bis vor Kurzem noch nicht einmal über einen Stromanschluss verfügten, obwohl dieser nur Meter vor der Tür erzeugt wurde.

Doch Bürgermeister Requeijo bereitete dieser Situation ein Ende. Seit 2016 hat jeder, der in Muras gemeldet ist, das Recht, die Übernahme seiner Stromrechnung durch die Gemeinde zu beantragen. Die übernimmt zwischen 70% und 100% des Stromverbrauches der Haushalte und sogar der landwirtschaftlichen Betriebe, der Bars und Restaurants, wenn diese mit dem Hausanschluss verbunden sind. Familien mit einem Jahreseinkommen unter 9.500 Euro zahlen bis zu einem Jahreshöchstbetrag von 500 Euro gar nichts.

Der Haushaltsetat von Muras für 2017 beläuft sich auf 1,7 Millionen Euro. Das Geschäft mit dem Wind bringt der Gemeinde jährlich 1,5 Millionen Euro ein, hauptsächlich über die Grundsteuer und die Gewerbesteuer. Der Posten zum Ausgleich der Stromkosten beträgt rund 130.000 Euro.

Doch Bürgermeister Requeijo hat sich auch bei den Konzernen dafür eingesetzt, dass abgelegene Häuser auch einen Stromanschluss bekommen.

Zwar sorgt sich in Muras nun niemand mehr über eine hohe Stromrechnung, doch leidet der landwirtschaftlich geprägte Ort unter der Abwanderung. Es gibt nur noch 668 Einwohner. Die einzige Schule wurde vor Kurzem geschlossen. Requeijo hofft, dass der günstige Strom nun auch als Anreiz zum Zuzug neuer Bürger dient.




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