Immigration erster Klasse


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Für 4.000 Euro mit dem Jet-Ski über die Meerenge von Gibraltar

Schleuser machen im Mittelmeer ein Geschäft mit der Not der Menschen, die Afrika Richtung Europa verlassen wollen oder müssen. Die Mär von einander fremden Emigranten, die sich in Tanger und Casablanca spontan zusammenfinden, um gemeinsam für 810 Dirham (rund 80 Euro) ein Kinderschlauchboot für die waghalsige Überfahrt zu erstehen, stellen in den meisten Fällen nur eine Schutzbehauptung dar.

Tarifa – Doch es gibt eine Alternative dazu, ganze Tage und Nächte Wasser schöpfend in einer überfüllten, aufblasbaren Nussschale zu verbringen. Wie legale Reiseveranstalter auch bieten die Schleuser eine Luxusvariante an. Für 40.000 Dirham, etwa 4.000 Euro, kann man sich auf dem Rücksitz eines Jet-Ski in 15 Minuten über die Meerenge von Gibraltar bringen lassen. Im Preis eingeschlossen, ist die Versorgung mit trockener Kleidung und einer Sonnenbrille am spanischen Ufer, damit man, sowie man dem Wasser entstiegen ist, sein Aussehen verändern und sich unter die Touristen mischen kann.

Der Preis, der für die überwiegende Mehrheit der Immigranten unerschwinglich ist, kann sich deutlich reduzieren, wenn sich der Passagier bereit erklärt, das Risiko eines mehrjährigen Gefängnisaufenthalts in Kauf zu nehmen. Wer 20 Kilogramm Haschisch mitnimmt, zahlt 3.000 Euro weniger.

Die Zollfahndung berichtet von Dutzenden von Fällen dieser Art in den letzten Monaten. Anfang August erst konnten Beamte der Guardia Civil drei Mitglieder eines Schleusernetzwerks verhaften. Sie hatten beobachtet, wie am Strand von La Macotilla, wenige Kilometer von Tarifa entfernt, ein Mann von einem Jet-Ski aus an Land schwamm. Einem Patrouillenboot gelang es, den Fahrer des Wasserfahrzeugs, der sofort die Rückfahrt angetreten hatte, noch in spanischen Gewässern aufzuhalten, und an Land konnten zwei weitere Helfer in einem Auto festgenommen werden, die Kleidung für den Immigranten mitführten. Ihr Passagier wurde zunächst in eines der Abschiebelager gebracht.

Am selben Strand hatte die Polizei einige Zeit zuvor schon 67 Kilogramm Haschisch sichergestellt, die von den Fahrern eines anderen Jet-Ski ins Meer geworfen worden waren, als sie von der Küstenwache entdeckt wurden.




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