„Ich weiß nicht, wie mein Unternehmen funktionierte“


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Iñaki Urdangarin, Ehemann der Infantin Cristina, vor Gericht

Der Hauptangeklagte des Korruptionsfalles Nóos, Iñaki Urdangarin, Ehemann von Prinzessin Cristina de Borbón und Schwiegersohn von König Juan Carlos, musste in der letzten Woche vor Gericht aussagen.

Bei seiner ersten Einvernahme bestritt er nachdrücklich, ein „Kommissionär“ der öffentlichen Verwaltung zu sein. Der Ehemann der Infantin, die ebenfalls neben weiteren fünfzehn Personen auf der Anklagebank sitzt, hat zwar eingeräumt, in dem Institut, dessen Präsident er war, habe es gefälschte Arbeitsverträge gegeben. „Es gab Angestellte, das habe ich jetzt während der Verhandlung erfahren, aber ich weiß nicht, wer sie waren“, erklärte er dem Gericht.  „Aber es war doch Ihr Unternehmen“, hielt Staatsanwalt Pedro Horrach ihm entgegen. „Ich habe mich mit dem beschäftigt, womit ich mich gemeinhin beschäftige“, gab Urdangarin ihm zur Antwort.

Der Hauptangeklagte, gegen den Haftstrafen von insgesamt 19 Jahren beantragt wurden, bestritt mit Nachdruck, an der „Abzweigung“ von 6,2 Millionen Euro öffentlicher Mittel beteiligt gewesen zu sein. „Ich war niemals in meinem Leben „Kommissionär“ –  für nichts und für niemanden“. Nach seinen Attributionen befragt, erklärte er: „Sehen Sie, wie ich hier ankomme. Ich habe Nóos ohne ein einziges Papier verlassen. Ich erinnere mich nicht an mein Arbeitsleben.“

Während des Verhörs musste die vorsitzende Richterin Samantha Romero Staatsanwalt Horrach mehrmals zur Ordnung rufen, der einen großen Teil seiner Vernehmungsstrategie darauf konzentrierte, die Infantin Cristina von dem Vorwurf der Beteiligung an den Steuerdelikten zu entlasten. 

„Es ist das erste Mal, dass eine Anklage eine andere Anklage infrage stellt“, erklärte die Richterin. „Die Aufgabe eines Staatsanwaltes ist es nicht  nur, anzuklagen, sondern sich auch gegen Anklagen zu stellen, welche er als unbegründet betrachtet“, erwiderte Horrach.

Ebenso wie sein Sozius Diego Torres, der vor ihm seine Aussage gemacht hatte und mit Nachdruck unterstrichen hatte, die Prinzessin habe keinerlei Verbindung mit den Geschäften von Nóos gehabt, versuchte Urdangarin, die Ehefrau von Torres, Ana María Tejeiro, zu entlasten. Auf die Frage, ob sie Angestellte der Gesellschaft gewesen sei, erklärte er: „Nein, sie war die Frau von Diego Torres, und ich nehme an, sie hat ihre eigenen Angelegenheiten erledigt. Ich habe sie niemals im Direktionskomitee oder bei den Projekten gesehen.“

Sein einziges Zugeständnis war, wie eingangs erwähnt, dass fiktive Angestellte geführt wurden, um Privatkosten der ehemaligen Grafen von Palma steuerlich abzusetzen. Er stimmte nicht mit seinem Ex-Sozius überein, die gesamte Verantwortung auf dessen Schwager Miguel Tejeiro, den Finanzberater und Sekretär des Instituts, abzuwälzen. 

Es habe drei Gruppen von Mitarbeitern gegeben, erklärte er. Eine erste Gruppe sei mit den sozialen Aufgaben der Gesellschaft befasst gewesen. Die zweite Gruppe habe sich aus Arbeitern der Instandhaltung und der Serviceleistungen zusammengesetzt. Sowie die dritte Gruppe, die überraschenderweise Löhne kassierte, aber von denen er nicht wusste, wer sie waren. Erst im Laufe des Prozesses habe er davon erfahren. Zu dieser Gruppe gehörten allerdings auch zwei seiner Neffen, Jean und Lucien Urdangarin. Sie seien ihm sehr hilfreich gewesen, denn sie hätten ihm Informationen über die Projekte, welche er entwickelte, beschafft. Er benötigte diese Informationen, um nachzudenken, zu beraten und definitiv zu entscheiden. „Diese Familienmitglieder arbeiteten zu Hause, einer in Madrid und der andere in Barcelona, und ich setzte mich mit ihnen über den Señor Gui, den Vater, in Verbindung.“

Urdangarin wies jegliche Verantwortung im Tagesgeschäft sowohl von Aizoon als auch des Instituts Nóos von sich. Keine Rechnungen, keine Angebote, keine Kostenvoranschläge, keine Verträge. „Ich habe mich hauptsächlich mit der Supervision beschäftigt aber dirigieren, dirigieren eher nicht…“, erklärte er. Seine Ablehnung ging so weit, dass er sogar eine Unterschrift verneinte, die sich unter einem Angebot seiner Firma Aizoon befand, die ihm gemeinsam mit der Infantin zu je fünfzig Prozent gehörte. „Das ist nicht meine Unterschrift, das ist eine Anomalie“ beharrte er.

Widersprüche, Amnesie und das Königshaus als Schutzschild

Auf die Frage des Staatsanwalts, wer die Steuererklärung von Prinzessin Cristina angefertigt habe erklärte Urdangarin, das habe immer der Sr. Federico Rubio gemacht, ein Steuerberater, der vom Königshaus geschickt wurde. „Wir haben auch keinen Schritt getan, ohne García Revenga zu fragen“, das war der Sekretär, den das Königshaus für die beiden Prinzessinnen angestellt hatte.




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