Ibiza – Eine Insel lehnt sich auf


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Die Bevölkerung der Balearen-Insel protestiert heftig gegen den geplanten Bau einer Autobahn

Auf der kleinen Balearen-Insel Ibiza ist derzeit die Hölle los. Und das nicht etwa, weil trotz der ungewöhnlichen Jahreszeit bereits die ersten Touristen-Horden über das noch im Winterschlaf liegende Mittelmeer-Paradies hereingefallen sind. Nein, diesmal geht die Unruhe von den etwa 110.000 Bewohnern aus, die sich durch ein umstrittenes Bauprojekt im wahrsten Sinne des Wortes „gespalten“ sehen.

Ibiza – Stein des Anstoßes ist eine Autobahn, die quer über die 42 x 14 Kilometer große Insel verlaufen soll und von der konservativen Balearen-Regierung als „erhebliche Verbesserung der Verkehrssicherheit“ gepriesen wird.

Ein Großteil der Inselbewohner teilt diese Meinung jedoch in keiner Weise. Und dabei sind nicht nur die zahlreichen Bürger gemeint, deren Grundstücke und Immobilien per Zwangsenteignung der Autobahn zum Opfer fallen werden. Nein, ein Großteil der eigentlich nicht betroffenen Bevölkerung hält das Mammut-Projekt bestenfalls für nur „überflüssig“.

Der immer größer werdende Unmut, der sich längst in einer organisierten zivilen Widerstandsbewegung manifestiert hat, wird nicht nur dadurch geschürt, dass die Bedingungen, die den betroffenen Eigentümern zur Zwangsenteignung angeboten werden, mehr als undurchsichtig sind.

Als nicht minder schlimm wird von vielen die Tatsache empfunden, dass Abel Matutes, ehemaliger Außenminister unter der konservativen Regierung von Aznar, Ex-Bürgermeister von Ibiza und heutzutage wichtigster Grundstücksbesitzer und Unternehmer der Insel, gleich in verschiedener Hinsicht in Verdacht steht, sich durch den Bau der Autobahn zu bereichern.

So hat er ausgerechnet bei den beiden Unternehmen die Finger im Spiel, die bei den öffentlichen Ausschreibungen für den Autobahn-Bau den Zuschlag erhalten haben und einen Reingewinn von 14,3 Millionen Euro erzielen werden. Bei dem einen sitzt er im Aufsichtsrat, beim anderen besitzt er einen großen Prozentsatz an Anteilen. Des Weiteren ist er Vater der derzeitigen Ressortleiterin für öffentliche Bauarbeiten, Stella Matutes, gegen die sich ein Großteil der Kritiken richtet.

Die Rechtfertigungen vonseiten der Inselregierung, man erfülle mit dem Bau der Autobahn nur die Wahlversprechungen, hält auch keinem kritischen Blick stand, denn im Wahlprogramm war lediglich von einer Verbesserung des Straßennetzes, nie aber von einer Autobahn die Rede.

Abel Matutes selbst weist jeglichen Verdacht, eigene wirtschaftliche Interessen bei dem Autobahn-Projekt zu verfolgen, empört von sich. Ihm selbst verlange das Projekt Opfer ab – ein Golfplatz, den er bauen wollte, liegt auf der geplanten Autobahnstrecke, so dass er gezwungen war, ein neues Grundstück zu kaufen – und die Vorwürfe schmerzten ihn zutiefst.




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