Hirte aus Murcia stoppt Mammut-Bauprojekt


© Guillermo Carrión

David gewinnt gegen Goliath

Pascual Carrión nennt 30 Hektar Land, rund 500 Schafe und 70 Ziegen sein Eigen. Er lebt im Norden von Murcia in der 20.000 Einwohner starken Gemeinde Jumilla. Im Jahr 2006 genehmigte der Gemeinderat ein Bauprojekt von gewaltigen Ausmaßen, bestehend aus einer Luxus-Wohnsiedlung mit 15.000 Eigenheimen und zwei Golfplätzen, die zum Teil auf seinem Land gebaut werden sollten.

Murcia – Carrión sollte zu diesem Zweck enteignet werden und eine Entschädigung erhalten. Damit begann sein Kampf.

Eine Klage und eine Berufung wurden vom Oberlandesgericht von Murcia abgewiesen, weil man der Auffassung war, hier stehe das Wohl eines Einzelnen gegen das Gemeinwohl. Eine weitere Klage vor dem Spanischen Obersten Gerichtshof wurde wegen formaler Fehler eingestellt. Erst bei einem erneuten Anlauf vor dem Oberlandesgericht, bei dem es hauptsächlich darum ging, dass in der Gegend nicht genug Wasser für ein solches Großprojekt verfügbar ist, stoppte dieses im Jahr 2010 das Projekt zunächst per einstweiliger Verfügung (das Wochenblatt berichtete). Nun ist das endgültige Urteil ergangen, Pascual Carrión bekam recht, nicht weil sein Eigentum und seine angestammte Existenz der Justiz schützenswert erscheinen, sondern weil die Wasserversorgung der Golfplätze und Luxusresidenzen nicht gesichert ist. Der Gemeinderat verzichtete darauf, in Berufung zu gehen, und die Baugesellschaft wird nun ein kleineres Projekt mit gesicherter Wasserversorgung vorlegen, dass nicht auf das Land des Schäfers zugreift.

30.000 Euro und ein gutes Stück seiner Gesundheit hat diesen der Kampf gekostet. Um sein Recht zu bekommen, war er gezwungen, Schulden zu machen. Und noch ist der Kampf nicht vorbei, im Hinblick auf das Bauprojekt wurde eine Stromtrasse gebaut, die über sein Grundstück führt, ohne dass er sein Einverständnis dazu gegeben hätte. Er wird nun wieder vor Gericht ziehen müssen, um zu erreichen, dass die Masten wieder entfernt werden.

Dem Schäfer geht es darum, sein Eigentum und seine Lebensweise zu erhalten. Viereinhalb Millionen Euro, die ihm die Baugesellschaft angeboten hatte, schlug er aus und zog es vor, sich für den Kampf um sein Heim und seine Tiere zu verschulden.




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