Halbzeit, und was bringt das zweite Halbjahr?


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

In letzter Zeit werde ich immer wieder gefragt: Sollen wir verkaufen? Sollen wir kaufen? Ich weiß es nicht. Ich kenne auch niemanden, der es weiß.

Und wenn Sie einem Experten folgen, der es weiß, liegen Sie wahrscheinlich falsch. Denn neun von zehn Experten liegen mit ihren Prognosen falsch. Wir streuen deshalb die Kapitalanlage über Aktien und Renten. Dahintersteckt die Idee, dass eine Anlageklasse zwar schlecht laufen kann. Die andere davon aber zumindest teilweise unbeschadet bleibt. Außerdem erzielen beide Anlageklassen über Zinsen und Dividenden laufende Erträge. In der Praxis korrelieren die Anlageklassen infolge der Finanzkrise zwar stärker, aber über die großen Zyklen hinweg dürfte sich an dieser Grundannahme nichts ändern.

Da im Moment nur Europa im Fokus der Märkte steht, wollen wir uns noch einmal mit den Zahlen der USA beschäftigen:

US-Steueraufkommen $ 2.170.000.000.000

US-Haushalt  $ 3.820.000.000.000

US-Neuverschuldung  $ 1.650.000.000.000

Staatsverschuldung  $ 14.271.000.000.000

Jüngste Haushaltskürzungen  $ 38.500.000.000

Wegen der schieren Größenordnung dieser Zahlen sind sie nicht mehr zu verstehen. Streichen Sie einfach acht Nullen und nehmen an, das ist das Budget einer Familie in den USA :

Familieneinkommen $ 21.700

Familienausgaben $ 38.200

Neue Schulden auf der Kreditkarte $ 16.500

Ausstehende Kreditkartenschulden $ 142.710

Kürzungen des Haushaltsbudgets  $ 385

Besser kann man gar nicht deutlich machen, wie die Situation in den USA aussieht.

In dieser Krise wünscht man sich einen Hort der Sicherheit, jemanden, dem man bedenkenlos sein Geld anvertrauen kann. Aber die Schuldenkrise ist das Problem jedes Sparers – auch der Versicherungen. Denn wer sein Geld verliehen hat, der muss entweder fürchten, dass es der Schuldner gar nicht zurückzahlen kann, oder er muss fürchten, dass der Staat sein Geld angreift, entweder per Anordnung durch Steuern, Enteignung bzw. Umschuldung oder durch schleichende Inflation.

Auf lange Sicht spricht im Moment vieles für die Inflation. Damit werden Sparer und Lebensversicherer getroffen, die ihre Anlagen bis zu 90% in Zinspapieren halten. Gelingt die Inflationierung, genügt es der Versicherung, den Nominalwert ihrer Verpflichtungen zu erfüllen. Ob sich die Anleger dann für das Geld noch etwas kaufen können, spielt für das Aufsichtsrecht keine Rolle. Ebenfalls sind Pensionskassen und deren Rentenempfänger von Inflation und Konkurs betroffen. So hat die Pensionskasse der spanischen Staatsangestellten über 90% ihrer Anlagen in spanischen Staatsanleihen angelegt. Sollte Spanien die Pleite drohen, könnten die Renten dieser Staatsangestellten nicht mehr so wie versprochen bezahlt werden.

 Das alles sorgt dafür, dass die politische Nachrichtenlage die Märkte entweder nach oben oder unten treibt. Deshalb haben die deutschen Anleger noch nie so viel Geld wie jetzt in Geldvermögen angelegt. Mit 1.928 Milliarden Euro halten sie 40% des Geldvermögens als Spar-, Sicht-, Termineinlagen und Bargeld. Aus Angst vor der Zukunft maximieren sie ihr Risiko. Denn nach wie vor gilt der Jahrhunderte alte Grundsatz: Diversifiziert und strategisch anlegen und sich nicht von den Nachrichten verrückt machen lassen.

Es geht darum, das Kapital zu erhalten und für bessere Zeiten über die Runden zu bringen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Regierungen in dieser Welt dirigistischer und totalitärer werden. Schließlich verfügen deutsche Anleger über ein Nettovermögen von 8,2 Billionen Euro. Diese Summe entspricht ungefähr dem Schuldenstand der 17 Euroländer (ein Schelm, der Böses dabei denkt). Ebenfalls könnte der freie Kapitalverkehr in Zukunft zumindest teilweise behindert werden. Gerade deswegen sollte ein Teil des Vermögens beweglich sein, damit man immer wieder auf die neuen Umstände reagieren kann. Wichtig ist es, Aktien zu besitzen, um langfristig einen Bestand an unternehmerischer Substanz im Besitz zu halten.

Mehr Informationen?

Haben Sie Interesse? – Dann wenden Sie sich unter der    Telefon-Nr.: 922 575496 an Herrn Robert Burlon oder unter 0041 79 4207493 an Herrn Ottmar Beck.




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