Halbzeit 2


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Festverzinsliche Werte: Im März 2011 haben die CAI und die Stanford-Universität den Sovereign Fiscal Responsibility Index (SFRI) oder Fiscal Fitness Index veröffentlicht.

Hierfür werden drei Werte errechnet:

1. Schulden, die ein Land noch aufnehmen kann

2. Anzahl der Jahre, bis ein Land diese Grenze erreicht hat

3. Regeln der Finanz- und Steuerpolitik, deren Transparenz und Vollstreckbarkeit

Das Ergebnis zeigt Deutschland zwar vor den USA und Japan, aber leider nur an Stelle 25, umgeben von Frankreich, Spanien und Italien. Nur acht von 34 Staaten werden ihre Verschuldungsgrenze bis 2050 nicht erreichen.

Es ist aber noch Zeit, das Ruder herumzuwerfen und die Verschuldung in den Griff zu bekommen. Persönlich sehe ich es insofern positiv, dass die Europäische Union durch die Entwicklung in Griechenland gezwungen wird, ihre Hausaufgaben zu machen. Die Krise wird den Prozess hin zu den „Vereinigten Staaten von Eu­ropa“ unwiderruflich vorantreiben, auch wenn der stärkste Partner dabei die größten Lasten schultern muss.

Die USA vertreten eine andere Auffassung. Nach dem Treffen der US-Zentralbanker in Washington am 23. Juni kommentierte Ben Bernanke, dass „Fed is prepared to take additional action, obviously, if conditions warranted“. Es wird also weiter Geld gedruckt werden. Da die amerikanische Zentralbank keine US-Treasuries mehr kauft und ausländische Zentralbanken sich derzeit stark zurückhalten, muss der private Sektor durch Kauf der Anleihen die Defizite der Regierung abdecken: Seit 2008 sind zum ersten Mal seit 70 Jahren die Zahlungen der Regierung an Privathaushalte größer als die von diesen gezahlten Einkommensteuern. Und die Differenz wächst seitdem immer weiter. Jeder Dollar, den die US-Regierung ausgibt, ist derzeit mit 40 Prozent beliehen. Um die Finanzierung zu sichern, so Studien, muss der Zinssatz für zehnjährige US-Papiere mindestens auf 4, wenn nicht gar auf 6 Prozent steigen. Das Nachspiel einer solchen Entwicklung wird globale Konsequenzen haben – auch an den Aktien- und Rohstoffmärkten. Hinzu kommt, dass Amerika den höchsten zulässigen Schuldenstand bereits erreicht hat und der Kongress einer Erhöhung des Verschuldungslimits zustimmen muss. Die Republikaner werden also vermutlich bis zur letzten Minute warten, um möglichst hohe Einsparungen auf der Ausgabenseite zu erreichen. Es wird zu einem Kompromiss kommen, den beide Parteien anschließend als Erfolg verkaufen können. Machen Sie sich in den nächsten Wochen auf das Schauspiel eines politischen Dramas mit all seinen Konsequenzen für die Wertpapiermärkte gefasst.

Wir bleiben bei unserer Aufteilung zwischen Staats- und Firmenanleihen und werden bei den Staatsanleihen in Zukunft die Ränge 1 bis 17 des Fiscal Fitness Index bevorzugen.

Aktien

Im Mai und Juni haben die Aktienmärkte sieben Wochen lang Verluste gemacht. Warum? Die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen haben viele Menschen das Schlimmste, nämlich „Rezession“, befürchten lassen. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen schlechter werdenden und schaurig-schlechten Daten.

Schlechtere Daten = Wir haben immer noch Wachstum, aber nicht mehr ein so beeindruckendes wie zuvor.

Schaurig-schlechte Daten = Die Expansion ist vorbei, hier kommt die Rezession.

Im Moment ist das Glas nach wie vor halb voll. Die meisten Unternehmen in Europa und den USA sind gesund, erzielen hohe Gewinne und wollen investieren. Die Unternehmen in den Schwellenländern wachsen nach wie vor. Die Verlangsamung des Wachstums in diesen Ländern ist gewollt und findet überdies auf einem viel höheren Niveau als bei uns statt. Hinzu kommt auch die politische Situation. Obama und Sarkozy wollen im nächsten Jahr wiedergewählt werden. Der russische Präsident wird 2012 ebenfalls gewählt. Und zu guter Letzt geht 2012 in China die Macht auf die nächste Generation über. Deswegen wurden in China jetzt auch Preiskontrollen für Nahrungsmittel, Energie und Wasser eingeführt. Keine der regierenden Parteien wird daher harte und unangenehme Entscheidungen treffen. Man wird vielmehr versuchen, es allen recht zu machen und vor allem die Wirtschaft am Laufen zu halten. Wir werten die negative Stimmung jedoch positiv. Bei einer Befragung von Teilnehmern einer Konferenz ergab sich, dass über die Hälfte ihre Aktiengewichtung reduzieren will. Dabei sind die Barmittel bei den meisten Anlegern ohnehin schon übergewichtet. Eine gute Basis für eine Erholung am Aktienmarkt also.

Wir halten unsere Aktienpositionen weiter.

Mehr Informationen? 

Haben Sie Interesse? –

Sie können bei Herrn Robert Burlon unter der Telefon-Nr.: 922 57 54 96 Näheres erfahren.




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