GVOs: Für die spanische Regierung ökologischer als herkömmliche Samen


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Gentechnisch veränderte Organismen (GVOs)

Der Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Miguel Arias Cañete, hat sich eindeutig für den Einsatz der Gentechnologie ausgesprochen. Er beteuerte vor dem Abgeordnetenhaus, dass der Genmais MON 810 des amerikanischen Biotech-Konzerns Monsanto die Umwelt mehr „achtet“ als der herkömmliche Natursamen.

Madrid – Wie er zu dieser Schlussfolgerung kommt, erklärte er folgendermaßen: „Der Mais MON810 hat sich als eine Lösung für die von der Maiszünslerplage betroffenen spanischen Regionen, wie die des Ebro-Tales, erwiesen. Durch den Anbau dieser Maissorte konnten Landwirte viele Liter Schädlingsbekämpfungsmittel und auch Traktorgänge sparen.“  

Zudem plane die Regierung ein Gesetz, um die Entfernungen zwischen genveränderten, herkömmlichen und ökologischen Anbauflächen festzulegen. Wichtige Faktoren wie die Art und Zone des Anbaus und die üblichen Windverhältnisse sollen dabei berücksichtigt werden. Letztendlich wird diese Festlegung das Maß der Förderung der genmanipulierten Organismen durch die Regierung widerspiegeln.

Diese Regelung wollte seinerzeit schon die sozialistische Regierung in Angriff nehmen, scheiterte aber letztendlich an dem massiven Widerstand der Landwirte und Umweltschützer. Mit der PP-Regierung an der Macht wird die Rolle Spaniens als einziger Gentechnologie-Befürworter innerhalb der Europäischen Union deutlich verstärkt. In dieser Hinsicht bezeichnete die Tageszeitung El País Spanien als „wichtigsten Alliierten der USA“, da hierzulande die klimatischen Gegensätze äußerst interessant seien, um die Effektivität der GVOs zu verfolgen. Während 2008 rund 30% des spanischen Maises genetisch modifiziert war, so stieg dieser Anteil 2010 bereits auf 75%. 2011 konnte nochmals ein wichtiger Zuwachs an Anbauflächen verzeichnet werden und die Gesamtanbaufläche mit GVOs betrug fast 100.000 Hektar, allen voran die Regionen Katalonien, Aragonien und Extremadura. 

Zusammen mit der Opposition appellierten einige Fraktionen des Abgeordnetenhauses dringend an die Regierung, eine transparente und auf dem gemeinsamen Konsens basierende Diskussion über den Einsatz von GVOs zu führen. Es wurde eindringlich davor gewarnt, Spanien in einem zunehmend öko-orientierten Europa zu isolieren aufgrund der unvermeidbaren Verunreinigung der Felder und des Honigs mit GVOs. In der Europäischen Union ist es den einzelnen Ländern erlaubt, ein Veto gegen den Einzug von Gentechnologie in der Landwirtschaft einzulegen. Zuletzt hat Frankreich, neben Deutschland, Griechenland, Österreich, Ungarn, Luxemburg und weiteren Ländern ein Anbauverbot für MON810 gefordert.

Die spanische Regierung plädiert für ein Ende des EU-Moratoriums

In letzter Zeit hatte Cañete den Einsatz von GVOs mehrmals öffentlich befürwortet und dadurch den Standpunkt der aktuellen PP-Regierung sehr unmissverständlich dargelegt. Nur diejenigen, die „die Wissenschaft durch Ideologie ersetzen wollten“, würden sich gegen Biotechnologie stemmen, so der Umweltminister. Es ginge um die Lebensmittelsicherheit, die auch vom Klimawandel bedroht werde, und mit einer zunehmend wachsenden Weltbevölkerung sollten die industrialisierten Länder auf eine Produktionsverstärkung mittels Biotechnologie setzen. Mit ihrer ablehnenden Haltung und dem weitgehend geltenden Boykott der GVOs würde Europa, im Gegensatz zu den GVO-freundlichen Schwellenländern,  die Chance verpassen, auf dem internationalen Agrarmarkt wettbewerbsfähig zu sein. Letztendlich versicherte er, dass die Gentechnologie „eindeutig positiv angenommen worden sei, soweit es sich um die menschliche Gesundheit handelt.“

Doch genau hier scheinen europäische Staaten und die spanische Öffentlichkeit, darunter auch die spanischen Landwirte und Umweltschützer, eine ganz andere Meinung zu haben. Denn bis dato ist es eben nicht erwiesen, dass GVOs die Gesundheit auf lange Sicht nicht beeinträchtigen. Die Tatsache, dass diese Organismen eine Veränderung im Erbgut des aufnehmenden Körpers verursachen, ist für viele ein ausreichendes Indiz für einen groben, letztendlich nicht kontrollierbaren Eingriff in den Kreislauf der Natur und damit auch in den des Menschen, denn wir sind, was wir essen.

Gen-freie Zone

Die kanarischen Inseln haben sich bislang dem Einsatz von Gentechnologie nicht verschrieben. Da die Kanaren eine unglaubliche und weltweit einzigartige Artenvielfalt besitzen, sei es oberste Priorität des Umweltschutzes, diese zu bewahren, wie die kanarische Regierung in einer offiziellen Erklärung unterstrich, als sie  die Kanaren als „gen-freie Zone“ erklärte. In diesem Sinne sind die Programme zur Entfernung artfremder Flora bislang eine der wichtigsten Maßnahmen. Dazu soll der Schutz vor Gen-Samen aktiv auf verschiedenen Agrar-Netzwerken und nationalen Arbeitstischen gefördert werden. Es wird auch sehr viel Wert darauf gelegt, dass traditionelle Speisen wie der „gofio“ keinen genmodifizierten Mais enthalten. Allerdings können große Supermarktketten auch auf den Kanaren industriell gefertigte Produkte mit GVOs verkaufen wie z.B. Soja-Drinks. Für den Verbraucher werden lediglich Produkte ohne GVOs mit dem Zusatz „No modificado genéticamente“ (zu Deutsch: nicht genetisch modifiziert) oder Ähnliches, explizit gekennzeichnet.




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