Grotesker Krawatten-Streit im Parlament


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Industrieminister Miguel Sebastián und Parlamentspräsident José Bono sind geteilter Meinung, was das Erscheinungsbild eines Ministers betrifft

Ein grotesker Krawatten-Streit Anfang Juli im Parlament hat weit über Spaniens Grenzen hinaus für Schmunzeln gesorgt. Ausgelöst wurde er vom spanischen Industrieminister Miguel Sebastián, als er mit Beginn der sommerlichen Temperaturen beschloss, ohne Krawatte im Plenarsaal zu erscheinen.

Madrid – Dies passte jedoch ausgerechnet einem seiner Parteikollegen, dem für seine eher konservative Einstellung bekannten Präsidenten des Parlaments José Bono, überhaupt nicht. Von einem Saaldiener ließ er dem Minister eine Krawatte überbringen, die dieser jedoch einsteckte und lapidar meinte, er werde sie dann im Oktober, wenn es wieder kälter würde, anziehen. Doch damit nicht genug, er ließ nun nämlich Bono wiederum ein Thermometer zukommen, damit dieser messen könne, wie kalt es wegen der auf volle Power gestellten Klimaanlage im Plenarsaal sei. Gleichzeitig ließ er ihn wissen, dass das eine Verschwendung sei und, wenn die vom Indus­trieministerium empfohlenen 24 Grad eingehalten würden, vielleicht auch er, Bono, lieber ohne Krawatte zum Dienst erscheinen würde.

Sebastián ist für sein umweltbewusstes Verhalten bekannt. Er fährt häufig mit der Metro zur Arbeit und in seinem Büro ist die Klimaanlage auf 26 Grad eingestellt. Nur durch Sparsamkeit könne, kurzfristig gesehen, der Anstieg der Öl- und Elektrizitätspreise gesenkt werden, erinnerte er Bono. Er jedenfalls habe seinen Mitarbeitern ausdrücklich die Erlaubnis erteilt, im Sommer leger gekleidet zur Arbeit zu erscheinen und somit zu vermeiden, die Klimaanlage auf volle Power zu stellen.

Absichtlich oder nicht, in den folgenden Tagen entledigten sich immer mehr sozialdemokratische Minister mehr oder weniger demonstrativ ihrer Krawatten. Der eine oder andere öffnete sogar den obers­ten Knopf seines Hemdes. Arbeitsminister Celestino Corbacho ging sogar soweit, die Krawatte nach einer offiziellen Veranstaltung abzunehmen und den Journalisten zu erklären: „Man kann auch ohne Schlips offiziell aussehen.“




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