Großgrundbesitzerin hinterlässt ihr Vermögen den Kindern ihres Heimatdorfes


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Sie lebte eigenbrötlerisch, starb allein, und ihr Testament überraschte alle

Virginia Pérez-Buendía war mehrfache Millionärin. Sie besaß ausgedehnte Ländereien in Cuenca, Aktien, Immobilien und eine exklusive Wohnung im Zentrum von Madrid. Doch am Ende ihres Lebens hatte sie weder Kinder noch nahe Verwandte, denen sie ihr Vermögen hätte vermachen können.

Sie starb im vergangenen September im Alter von 87 Jahren allein und zunächst unbemerkt in ihrer Wohnung in der Hauptstadt. Erst etwa sechs Wochen später wurde sie gefunden.

Bis zum Schluss war sie ständig zwischen Madrid und den Ländereien, die sie in ihrem Geburtsort Valverde de Júcar besaß, hin- und hergependelt. Sie schätzte das Landleben und kümmerte sich mit Unterstützung verschiedener Angestellter selbst um die Tiere und Anpflanzungen ihrer 143 Hektar großen Finca. Sie liebte alte Autos und besaß und fuhr selbst mehrere antike Fahrzeuge. In früheren Jahren organisierte sie regelmäßig Oldtimer-Treffen auf ihrem Anwesen. Zu den Bewohnern des Ortes pflegte sie jedoch kaum Kontakt.

So war es für alle eine Überraschung, als sich herausstellte, dass sie in ihrem schon 1983 verfassten Testament ihr gesamtes Vermögen der Jugend des Ortes Valverde de Júcar für deren Ausbildung vermacht hat. Der Bürgermeister, der Friedensrichter und der Pfarrer von Valverde de Júcar sollen als Testamentsvollstrecker eine Stiftung gründen, welche mit den Nachnamen der Stifterin benannt wird.

Nach dem Testament dürfen keine Vermögenswerte aus dem Erbe veräußert werden, alle Erträge sollen jedoch in Stipendien für die Kinder einkommensschwacher Familien des 1.200-Seelen-Ortes fließen. Wie dies gehandhabt werden soll, hat sie folgendermaßen festgelegt: Die Stiftung soll das Vermögen, welches sich aus Geldbeträgen auf zwei Bankkonten, Aktien und zahlreichen Immobilien, darunter verschiedene Häuser und eine alte Fabrik in Valverde, sowie Olivenhaine, Kiefernwald und Ackerflächen, verwalten. 85% der Erträge sollen in Stipendien für die Kinder und Jugendlichen des Ortes fließen, 10% der Erhaltung des Stiftungsvermögens dienen und 5% für Verwaltungskosten ausgegeben werden. Der Vorstand soll aus acht Personen bestehen, neben dem Bürgermeister, dem Pfarrer und dem Richter sollen, von ihren jeweiligen Standeskollegen gewählt, ein Lehrer, ein Landwirt, ein Einzelhändler, ein Unternehmer und ein Arbeiter oder Angestellter aus Valverde de Júcar dazu gehören. Noch weiß niemand, wie groß das Vermögen, welches sie verwalten sollen, genau ist. Gerüchte sprechen von zehn bis zwanzig Millionen Euro.

Die Begünstigten befinden sich unter den zurzeit achtzig Kindern in der Grundschule (1. bis 6. Klasse) von Valverde und weiteren siebzig, welche die weiterführende Schule im Nachbarort oder eine Universität besuchen.

Ausgelöscht

Die Familie von Virginia Pérez-Buendía hat den Aufbau ihres Vermögens in der Landwirtschaft begonnen. Später kam eine Getreidemühle, die bis 2002 betrieben wurde und bis zu 8.000 Kilogramm Mehl pro Tag produzierte, hinzu. Virginias Eltern und die drei Brüder hatten im Dorf den Ruf, immer zu arbeiten, aber nie etwas auszugeben.

Virginia und ihre drei Brüder starben alle ohne Nachkommen. Es heißt, ihre Mutter Eufemia Buendía Chicano habe ihnen verboten zu heiraten, weil sie zu hässlich seien. Jeder, der bereit sei, mit ihnen anzubandeln, sei deshalb eindeutig hinter dem Familienvermögen her. „Eher tot als verheiratet“ war das Motto für ihre Kinder, und es war ihr ernst damit: Ein Sohn, der doch heiratete, noch dazu eine ledige Mutter, wurde enterbt und starb in den Achtzigerjahren, wie jetzt seine Schwester, allein und ohne eigene Kinder in einem Hotelzimmer. Er hat im Familiengrab nicht einmal eine Inschrift.




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