Groß-Razzia im Kampf gegen jugendliche Spielsucht


Hunderte Bürger demonstrierten Anfang Oktober in Madrid gegen die Ausbreitung der Spielhallen, die sich in manchen Stadtvierteln zu einer regelrechten „Plage“ ausgewachsen haben. Foto EFE

Experten fordern Gesetzesänderungen

Madrid – Kurz nachdem etwa 1.500 Personen in Madrid gegen die Ausbreitung von Glücksspielbetrieben und Wettannahmestellen auf die Straße gegangen waren, präsentierte die Nationalpolizei die Ergebnisse einer Groß-Razzia, die zuvor landesweit in 1.881 Betrieben durchgeführt worden war, um die Anwesenheit von Minderjährigen festzustellen. Die Polizei stieß auf 28 Minderjährige und 184 Personen, die sich nicht ausweisen konnten. Es wurden 220 Verfahren eingeleitet.
Tatsächlich nimmt die Zahl der Jugendlichen, die an illegalen Glücksspielen teilnehmen oder Wetten abschließen, ständig zu. Meistens sind sie sich der Gefahr, der Spielsucht zu verfallen, nicht bewusst. Eine Studie der Universität Valencia hat gezeigt, dass 2,1% der Schüler im Alter von 15 bis 17 Jahren Probleme mit dem Glücksspiel haben. Experten fordern eine Verschärfung der Gesetze, die den Zugang zu den entsprechenden Betrieben und deren Werbung regeln.
Mariano Chóliz, Professor für Psychologie an der Universität Valencia und Experte für pathologisches Spielen, erklärte, bei den Jugendlichen handele es sich um eine von der Spielsucht besonders gefährdete Bevölkerungsgruppe und eine Marktnische für den Sektor. Nach einer Umfrage in mehreren Schulen Valencias sei er zu dem Schluss gekommen, dass mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits mindestens einmal gewettet hätten. Es handele sich um eine Freizeitbeschäftigung in der Gruppe. Laut einer Umfrage der Universität Santiago würden 61% der Eltern die gelegentlichen Wetten ihrer Sprösslinge kennen. Vertreter von Vereinigungen zur Unterstützung Suchtbetroffener bestätigten, dass sowohl das Einstiegsalter der Spielenden, als auch das Durchschnittsalter der Suchtkranken erheblich gesunken sei.
Chóliz kritisierte, dass die Gesetzgebung weniger streng für Glücksspielbetriebe und Wettannahmestellen als für Kasinos und Bingos sei, bei denen Minderjährigen der Zugang erheblich erschwert wird. Der Gesetzgeber habe das Problem bei der Ausarbeitung des Gesetzes im Jahr 1977 sehr wohl erkannt. Doch dann hätten zunehmend Cafeterías Spielautomaten aufgestellt und das Angebot um Wettannahmestellen ausgebaut. Nach Angaben des Professors und von Experten gibt es in Spanien 230.000 Spielautomaten, 6.500 Glücksspielbetriebe und Wettannahmestellen, die in den letzten Jahren förmlich wie Pilze aus dem Boden geschossen seien. Die Experten fordern neben dem Verbot von Spielautomaten in Bars die Alterseinschränkung in den Betrieben sowie ein Werbeverbot. Es gäbe Jugendliche, die sich beispielsweise zu Sportwetten verleiten ließen, wenn ihr Idol, wie beispielsweise Cristiano Ronaldo, dafür geworben habe.

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