Grabräuber in Aragonien – die Spur führt nach Deutschland


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4.000 archäologische Funde unterschlagen

Mit einem handelsüblichen Metalldetektor hat der mittlerweile pensionierte Ricardo G. (60), der heute vom Trüffelsammeln lebt, über zwanzig Jahre hinweg eine der massivsten archäologischen Plünderungen begangen, die Spaniens Kriminalgeschichte zu verzeichnen hat.

Madrid – Über 4.000 vorwiegend keltiberische Fundstücke aus Bronze hat die Polizei in diesem Zusammenhang sichergestellt. Der Mann wohnt ganz in der Nähe bekannter historischer Fundstätten in dem nordspanischen Dorf Aranda de Moncayo bei Saragossa. Bei der polizeilichen Befragung räumte er ein, dass die meisten Stücke aus der antiken keltiberischen Stadt Arátikos direkt bei seinem Heimatdorf stammen, ein kleiner Teil jedoch von den etwa 60 bzw. 120 Kilometer entfernt gelegenen Fundstätten Numania und Tiermes.

Bei den Bronze-Artefakten aus verschiedenen Epochen handelt es sich zum größten Teil um Beigaben von Kriegergräbern: Brustschilde, Pfeilspitzen, Schwerter, Spangen und Schmuck, aber auch einige Stücke Keramik sind darunter. Die Polizeiaktion nahm ihren Anfang im vergangenen Sommer, als die Staatsanwaltschaft Kenntnis davon erhielt, dass auf einer Versteigerung in Deutschland drei Bronze-Helme und fünfzehn weitere Bronze-Artefakte in ungewöhnlich gutem Zustand angeboten wurden, die aus dem Spanien des 4. bis 2. Jahrhunderts vor Christus stammen und offenbar illegal aus dem Land geschafft wurden. Tatsächlich hätten die spanischen Behörden schon viel früher reagieren können, denn schon im Jahre 2008 hatte das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz die dubiose Herkunft verschiedener Stücke bemerkt und in Spanien angezeigt. Damals war in Deutschland die einzigartige archäologische Sammlung des verstorbenen Industriellen Axel Guttmann versteigert und Stücke daraus vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum erworben worden.

Doch die Jahre vergingen, und erst vor einem halben Jahr wurde die spanische Polizei tätig. Eine Untersuchung der verdächtigen Stücke ergab Hinweise auf den Fundort in der Provinz Aragonien. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis die Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Grabräuber führten. Bei verschiedenen Hausdurchsuchungen wurden in der Folge 4.000 archäologische Fundstücke sichergestellt und nach Madrid überführt.

Raimon Graells, Forscher im Mainzer Zentralmuseum, hofft, dass der Finder der Stücke Angaben zu ihrer Herkunft machen wird, da sie ohne Lokalisierung die Hälfte ihres Wertes verlieren würden. 




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