Google und Co. zahlen kaum Steuern


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Die sieben größten Internet-Firmen führten 2012 zusammen nur 1,25 Mio. Euro an das Finanzamt ab

Die spanischen Ableger der sieben größten Konzerne der Internet- und Computerbranche zahlen kaum Steuern. Nach Recherchen der überregionalen Tageszeitung El País treiben die sieben Giganten des Informationszeitalters ihre Methoden der „Steueroptimierung“ so weit, dass sie alle zusammen für das Jahr 2012 nur gut 1,25 Millionen Euro an das spanische Finanzamt abführten, wie aus den Jahresbilanzen von Google, Apple, Amazon, Facebook, Yahoo, eBay und Microsoft hervorgeht.

Madrid – Einige zahlten aufgrund von Verlusten, die sie geltend machten, sogar überhaupt nichts.

Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass diese großen Technologie-Konzerne versuchen, den Großteil ihres Umsatzes oder, wenn dies nicht möglich ist, ihres Gewinns in Länder mit günstigerer Besteuerung, wie Luxemburg oder Irland zu verlegen. Komplexe Steuerkonstruktionen erlauben es ihnen jedoch, auch dort kaum Abgaben zu zahlen.

Google beispielsweise lässt seine Gewinne außerhalb der USA auf den Bermudas anfallen und zahlt nahezu gar keine Steuern. Apple dagegen surft geschickt auf der unterschiedlichen Gesetzgebung verschiedener Länder. Der Konzern hat Filialen, die in den USA keine Steuern zahlen, weil sich ihr Firmensitz in Irland befindet, und die in Irland nach dortigem Gesetz ebenfalls keine Steuern zahlen, weil sie von den Vereinigten Staaten aus verwaltet und kontrolliert werden. So haben sie steuerlich gesehen keine Heimat und versteuern ihre Gewinne nirgendwo.

Die Konzerne verteidigen sich mit dem Hinweis, sie würden sich peinlich genau an die herrschenden Gesetze halten. Die betroffenen Staaten bemühen sich, die Steuerschlupflöcher zu schließen und hinken dabei bisher der Gewitztheit der internationalen Großunternehmen hinterher.

Der spanische Fiskus hat eine Sonderabteilung für die Überprüfung der Konzerne eingerichtet und auch bei einigen traditionellen internationalen Unternehmensgruppen Erfolge eingefahren, doch an Google haben sich auch diese Spezialisten die Zähne ausgebissen. Bei einer Überprüfung fanden sie nur einige kleinere Diskrepanzen zur abgegebenen Steuererklärung, und so wurde dieses Steuermodell für Google und auch für die anderen Konzerne, die es anwenden, sogar bestätigt.

In Großbritannien lagen die Steuerabgaben aller sieben Internet-Giganten mit 54 Millionen Euro deutlich über den in Spanien geleisteten, im Verhältnis zum Geschäftsvolumen der Internet-Konzerne ist dies jedoch immer noch ein lächerlicher Betrag.

Nach den Daten, die El País veröffentlicht hat, fielen bei Microsoft Spanien 10,8 Millionen Euro Steuern an, bei Google Spain 1,66 Millionen, Apple Marketing Iberia 2,58 Millionen, Amazon Spain Fulfilment 184.000, Facebook 50.000, eBay 37.000 und bei Yahoo nichts. Diese insgesamt rund 15 Millionen wurden jedoch fast komplett wieder aufgefressen durch Steuerrückzahlungsansprüche, zum größten Teil von Apple Retail Spain und Amazon Spain Services, sodass am Ende für 2012 nur die oben genannten 1,25 Millionen Euro für das spanische Finanzamt blieben.




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