Glücksspiel- und Wettparadies Vallecas


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In einem Umkreis von 250 m findet man zehn Spielhallen und Wettannahmestellen. Die Einwohner sorgen sich um die Jugendlichen und die Arbeitslosen.

Madrid – Vallecas ist ein Stadtteil im Südosten von Madrid und teilt sich in die beiden Stadtbezirke Puente de Vallecas und Villa de Vallecas auf. In Puente de Vallecas leben rund 230.000 Bürger. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 24.687 Euro und ist das niedrigste unter den 21 Stadtbezirken der spanischen Hauptstadt. Doch gerade diesen Bezirk hat die Glücksspiel- und Wettbranche ausgewählt, um sich hier auszubreiten. Allein in einem Umkreis von 250 m um die U-Bahn-Station Puente de Vallecas befinden sich zehn Spielhallen und Wettannahmestellen.

Die Vertreter der Nachbarschaftsvereinigung stimmen darin überein, dass die Spiel- und Wettbetriebe in den letzten drei Jahren in Vallecas förmlich aus dem Boden geschossen seien. Hier leben viele Jugendliche, Schulen befinden sich in unmittelbarer Nähe.

Das Glücksspiel- und Wettverbot für Minderjährige hilft wenig. Es findet sich immer ein über 18-Jähriger, der für die Minderjährigen deren Wetten abschließt. Fußballwetten sind besonders beliebt. Tatsächlich sind 19 der 20 spanischen Erstligisten in den Wettannahmestellen vertreten. Nur der Fußballclub Real Sociedad lehnt diese zusätzliche Einnahmequelle ab.

In Puente de Vallecas entsprechen knapp 5.500 Personen dem von Experten aufgestellten Profil eines typischen Spielsüchtigen: Männlich und zwischen 20 und 35 Jahre alt. Auch die Arbeitslosigkeit, im Bezirk gibt es 20.000 Arbeitslose, die Arbeitslosenquote liegt bei 13,07%, macht viele Menschen hier anfällig dafür, auf die Tricks der Branche hereinzufallen.

Die Betriebe würden versuchen, mit Personen in finanziellen Schwierigkeiten Geschäfte zu machen, sagen die Einwohnervertreter. Bezirksstadtrat Francisco Pérez hält es für dringend notwendig, dass die öffentliche Verwaltung Maßnahmen ergreift.

Vor zehn Jahren öffnete in Madrid die erste Wettannahmestelle, die das Angebot der Spielhallen ergänzte. Aktuell gibt es 488 Glücksspiel- und Wettbetriebe in der Hauptstadt. Laut dem Barometer der Spanischen Vereinigung der Spielhallen soll der Trend weiter aufwärtsgehen. Sie stuft die Region Madrid als einen der wachstumsstärksten und investitionssichersten Märkte ein.

José Antonio Gómez Yáñez, Professor für Soziologie an der Universität Carlos III. und Verfasser des Jahrbuchs über das Glücksspiel in Spanien, erklärte, die Unternehmen würden sich in den Randgebieten der Hauptstadt ansiedeln, weil hier die Ladenmiete billiger sei. Seiner Meinung nach handele es sich nicht um ein Problem der öffentlichen Gesundheit, sondern schlicht und einfach um Geschäft. Diese Meinung wird von der Spanischen Vereinigung der Spielhallenbetreiber selbstredend unterstützt.

Josep Lobera, Soziologe an der Autonomen Universität von Madrid, widerspricht: „Je näher du eine Wettannahmestelle hast, umso eher spielst du. Das Glücksspiel wird durch die massive Werbung bei den Jugendlichen gesellschaftsfähig gemacht.“

Esther Rubio, Psychologin von Proyecto Hombre Madrid, erklärte, die Jugendlichen würden die Spielhallen als Freizeitanlage verstehen.

Tatsächlich reiht sich in Puente de Vallecas eine Spielhalle an die andere. Mit Gutscheinen werden die Jugendlichen zum Erstbesuch „verführt“. Danach sei ein Ausstieg oft sehr schwierig, so Rubio.

Die Direktoren der lokalen Gymnasien wünschen sich zwar ein Verbot von Spielbetrieben in unmittelbarer Nähe zu ihren Zentren, haben aber laut El País bis Ende September an ihren Schulen auch keine Aufklärung über die Gefahren betrieben.

Die Regierung hat im Februar einen Gesetzesentwurf vorgestellt, um die Werbung für Online-Glücksspiel und -Wetten während der Jugendschutzzeit im Fernsehen zu verbieten. Vor Kurzem legte die Podemos-Partei nach und forderte, diese Werbung ganz zu verbieten.




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