Gespräch über die Zukunft der Thyssen-Kunstsammlung fand nicht statt


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Thyssen-Witwe von Kultusministerin verprellt

Eigentlich sollte über die Zu­­kunft der bedeutenden Thys­sen-Kunstsammlung geredet werden, die seit 1996 auf Wunsch des deutschen Barons und seiner spanischen Ehefrau in Madrid im Museum Thyssen-Bornemisza ausgestellt ist.

Madrid – Doch überraschenderweise ist das Gespräch zwischen Carmen Cervera, der Witwe des 2002 verstorbenen Hans Heinrich von Thyssen, und der spanischen Kultusministerin Ángeles González-Sinde enttäuschend und ergebnislos verlaufen.

45 Minuten lang wurde über Vorstands-Interna des Thyssen-Museums gesprochen, kein Wort über die Zukunft der 240 Kunstwerke, die von Carmen Cervera an das Museum ausgeliehen sind. Unentgeltlich, versteht sich. Zumindest bis zum 11. Februar 2011. Und, wie es unter der Hand heißt, soll ab dann jährlich die Summe von 10 Millionen Euro für die Ausstellung von der Thyssen-Witwe gefordert worden sein. Die hält sich allerdings in der Geldfrage zumindest der Öffentlichkeit gegenüber bedeckt. Sie war jedoch in Begleitung von zwei Anwälten zum Termin bei der Ministerin erschienen, die sich nach dem Gespräch genauso verwundert äußerten wie die Kunstliebhaberin selbst: „Es erscheint uns tat­sächlich sehr erstaunlich, dass die Ministerin die Zukunft der Sammlung mit keinem Wort erwähnt hat.“

Carmen Cervera selbst mein­te dazu: „Ich finde keine logische Erklärung dafür. Nie zuvor bin ich ins Ministerium gebeten worden, um dort über Museums-Angelegenheiten zu sprechen. Als ich meine Verwunderung darüber äußerte, meinte die Ministerin lediglich, die Zukunft der Sammlung stehe derzeit nicht auf ihrer Agenda.“ Dennoch sei sie jederzeit zu weiteren Verhandlungsgesprächen bereit.

Im gleichen Sinne äußerte sich kurz darauf auch Ángeles González-Sinde: „Ich bin sehr optimistisch im Hinblick auf die Verlängerung des Überlassungszeitraums der Kunstwerke. Carmen Cervera ist immer sehr großzügig dem spanischen Staat gegenüber gewesen, was die Sammlung betrifft.“

Der Großteil der Thyssen-Sammlung ist bereits 1993 in den Besitz des spanischen Staates übergegangen. Dabei handelt es sich um die rund 750 Werke, die Thyssen gehört haben. Die 240 überaus wertvollen Bilder, um die es jetzt geht, sind Carmen Cervera von ihrem Mann zu dessen Lebzeiten geschenkt worden und, obwohl im Museum ausgestellt, ihr Privatbesitz. Dieses Kunstvermögen möchte sie ihrem Sohn Borja sichern und hat deshalb angeordnet, dass er nach 25 Jahren Ausstellung, also ab dem Jahr 2021, frei darüber verfügen soll.

In dem Gespräch mit der Kultusministerin sollten die Konditionen für die Überlassung der Werke ab 2011 ausgehandelt werden.




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