Gespaltenheit im „Pantoja-Fall“


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Marbella-Skandal: Die Beweislage gegen die Folkloresängerin ist erdrückend

Seitdem die spanische Folkloresängerin Isabel Pantoja am 3. Mai im Hinblick auf den Marbella-Skandal vor dem Richter aussagen musste, der sie erst am nächsten Tag nach der Zahlung einer Kaution von 90.000 Euro wieder auf freien Fuß setzte, ist Spanien gespalten.

Madrid – Da gibt es ihre bedingungslosen Fans, die hinter der populären Sängerin stehen, egal, was sie gemacht haben sollte, und alle Schuld ihrem Lebensgefährten, Marbellas Ex-Bürgermeister Julián Muñoz in die Schuhe schieben, der seit Sommer letzten Jahres im Gefängnis sitzt.

Gleichzeitig empört sich ein Großteil der Einwohner jedoch im selben Maße wie Details  über die Unsummen bekannt werden, die die Sängerin als Helfeshelferin ihres umstrittenen Lebensgefährten in den letzten Jahren gewaschen haben soll. Innerhalb von drei Jahren soll Pantoja unter anderem weit über eine Million Euro in kleinen Beträgen auf ihre Konten überwiesen haben, deren Herkunft die Sängerin jetzt nicht nachweisen kann.

Unfreiwillige Wahlhelferinnen?

Als Präsident Zapatero Anfang Mai in Marbella den Kandidaten seiner Partei als Wahlkämpfer beistand, wetterte er sozusagen in der Hochburg der Korruption gegen Spekulanten und ungetreue Staatsdiener. Er schwor seinen Zuhörern, auch Promis würden vom Zugriff der Justiz nicht verschont. Nur einige Stunden später ereignete sich in der Touristenhochburg an der Sonnenküste ein „Erdbeben“: Publikumsliebling Isabel Pantoja wurde bei Nacht und Nebel in ihrer Villa verhaftet. „Konspiration“, wetterte die Opposition, und ließ die Versicherungen des zuständigen Untersuchungsrichters, es handele sich um einen Zufall, nicht gelten. Die Folkloresängerin, Lebensgefährtin des Ex-Bürgermeisters von Marbella, Julián Muñoz, soll Summen in Millionenhöhe „gewaschen“ haben.

Ángel Acebes, Generalsekretär der PP, lässt sich nicht beirren. Es sei nicht das erste Mal, dass die Sozialisten berühmte weibliche Stars als unfreiwillige Wahlhelferinnen benutzen, behauptet er und erinnerte daran, dass 1991, ebenfalls mitten im Wahlkampf, der Flamenco-Star Lola Flores wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. In beiden Fällen sollten diese Skandale von politischen Problemen ablenken, wie jetzt beispielsweise den Fall des Terroristen De Juana Chaos. Was für Felipe Lola Flores war ist für Zapatero Isabel Pantoja.




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